7. April 2014

besoffensichtlich

be│sof│fen│sicht│lich, Adj. oder Adv.; -er/ -sten (Neologismus)

beschreibt eine Verhaltensweise oder Aussage, die offenkundig teilweise oder auch vollständig auf den übermäßigen Konsum von Alkohol zurückzuführen ist. 
Parallel zum Blutalkoholwert steigt die Besoffensichtlichkeit exponentiell an, sodass der Wirkungskreis erweitert und damit die Einschätzung des Verhaltens auch durch bisher nicht involvierte Dritte möglich wird.

In drei Hauptkategorien lässt sich besoffensichtliches Verhalten besonders häufig beobachten:

1. Motorik
Gestik und Mimik der Person werden als zunehmend fahrig, unkontrolliert und oft auch übertrieben wahrgenommen. Besonders komplexe Bewegungsabläufe wie Geradeausgehen, Tanzen oder Treppensteigen werden dadurch massiv beeinträchtigt und stellen mitunter auch eine konkrete Gefahrenquelle für die Gesundheit der Betroffenen dar.
Das finale Stadium ist meist erreicht, wenn eine höchst unkomfortabel wirkende stehende, sitzende oder liegende Körperhaltung, verbunden mit einem komaähnlichen Schlafzustand eingenommen wurde.

2. Verbale Äußerungen 
Neben einer teilweise leicht bis stark verwaschenen Aussprache, bei der es nicht selten parallel auch zu gesteigertem Speichelaustritt kommt, fällt besonders der Emotions- aber auch Wahrheitsgehalt der besoffensichtlichen Wortmeldungen auf. Zu- und Abneigung gegenüber Personen, Institutionen oder generellen gesellschaftlichen Aspekten wird unverblümter und öffentlicher kundgetan. Nicht selten ist die Erinnerung an eben diese Äußerungen nach Ausnüchterung nur schwer und eine Rekonstruktion der Ereignisse nur mit Hilfe von anderen möglich.

3. Kommunikationstechnologien
Während sich die ersten beiden Erscheinungsformen relativ schwer im Nachhinein rekonstruieren lassen, ist dank moderner Kommunikationstechnologien wie Handy und Internet eine immer präzisere Dokumentation besoffensichtlichen Verhaltens möglich. 
Sofern der Betroffene noch in der Lage ist, die entsprechenden Endgeräte gemäß ihrer eigentlichen Bestimmung zu verwenden, sind die sonst leicht verdrängten Aussagen oder Ausführungen längerfristig - bei Veröffentlichung im World Wide Web ggf.sogar dauerhaft - abzurufen. 
Zu den bereits in vergangenen Jahrzehnten verbreiteten Suffanrufen gesellten sich in den letzten Jahren besonders zwei weitere Phänomene der Besoffensichtlichkeit: die Statusmeldung und die Textnachricht.

a) Die Statusmeldung in Social Networks ist zwar im Zweifelsfall durch Löschung rückrufbar, kann aber aufgrund ihrer Öffentlichkeit ggf. schwerwiegende persönliche oder gesellschaftliche Folgen für den besoffensichtlich Handelnden haben; angefangen von einer spontanen Änderung des Beziehungsstatus, über blamable Bild- oder Textaussagen, bis hin zur möglicherweise schicksalhaften Äußerungen über den Arbeitgeber und damit verbundene berufliche Konsequenzen.

b) Ähnlich verhält es sich mit den Textnachrichten. Da diese jedoch durch den Absender nicht nachträglich auf dem Endgerät des Empfängers gelöscht bzw. zurückgerufen werden können, kann es durch diese einfache Dokumentation zu hochbrisanten Situationen mit massivem Erklärungsbedarf kommen. 
Für den Empfänger lassen sich besoffensichtliche Nachrichten in der Regel an einem oder mehreren der folgenden Merkmale festmachen:
  • ungewöhnliche Uhrzeit (meist spätnachts bis frühmorgens)
  • ungewöhnlich hohe Fehlerfrequenz (Rechtschreibung, Satzbau, aber auch Autokorrekturfehler)
  • fehlende Zusammenhänge der Inhalte (z.B. durch Wiederholungen oder Auslassung)
  • ungewöhnlich starke emotionale Aufladung der Inhalte (teilweise auch mit Wechsel der Extreme)
  • inflationärer Gebrauch von Emoticons
  • Kontaktaufnahmeversuche in kürzer werdenden Intervallen, vor allem bei ausbleibender Reaktion des Empfängers
Zur näheren Kategorisierung der Äußerungen bzw. des Verhaltens lassen sich semantisch verwandte Begrifflichkeiten nutzen:

I) besoffenbar: 
Das Verhalten/ die Äußerung kann noch nicht eindeutig, aber mit einer hohen Wahrscheinlichkeit dem Konsum von Alkohol zugerechnet werden.

II) besoffenkundig:
Als Synonym zu besoffensichtlich zu verwenden. 

III) besoffenlegen/ besoffenbaren
Im Verhalten/ in den Äußerungen werden bisher zurückgehaltene Ansichten, Werte oder Gefühle kundgetan. Diese werden entweder bereits zuvor vorhanden und durch den Alkohol an die Oberfläche transportiert oder sind lediglich durch ihn ausgelöst. 

IV) Besoffensive 
Wird der Entschluss sich zu besoffenbaren bzw. gewisse Gefühle o.ä. besoffenzulegen bereits im nüchternen Zustand gefasst und nur zu diesem Zwecke Alkohol konsumiert (vgl. Mutantrinken), so lässt sich das entsprechende Vorgehen als Besoffensive einstufen.




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