18. November 2013

warmhalteplatte

anfangs frisch und heiß und gut,
wohltuend und intensiv
man reißt sich darum,
es endlich wieder in händen zu halten

doch schon nach einigen runden 
lässt die begeisterung nach,
der eine ist noch heiß darauf,
der andere längst nicht mehr so sehr

die überlebenszeit künstlich verlängert,
warmgehalten, was längst erkaltet wäre,
dennoch nur selten bereitschaft,
es zu beenden und neu zu beginnen

der geschmack verändert sich,
wird schal oder säuerlich,
manchmal geht es nur noch bitter hinunter,
nur noch selten greift man beim angebot zu

ein rest, ein trauriges überbleibsel
von dem, was einst so begehrt war,
bleibt stets zurück und ungewollt,
bis man es schließlich gnädig entsorgt


17. November 2013

Nachholbedarf

Zwischen 2000 und 2005 habe ich studiert.
In Braunschweig.
Geisteswissenschaften an einer technischen Universität.
Das allein war schon keine ganz so ideale Wahl im Nachhinein, aber darüber braucht man sich jetzt auch nicht wirklich mehr ärgern. Dass ich dort mit Germanistik (abgebrochen) und Lehramt (abgeschlossen) nicht gerade die für mich idealen Studiengänge gewählt habe langfristig, konnte ich damals genausowenig wissen, wie ich heute eben weiß, dass ich als Zuhause-bei-den-Eltern-Wohnenbleiberin verdammt viel vom Unileben verpasst habe.
Ich habe während meiner Studentenzeit an sage und schreibe zwei Uni-Partys teilgenommen und habe nie in einer WG gewohnt.
Bis jetzt.
Jetzt, acht Jahre nach meinem ersten Staatsexamen wohne ich in einer WG.
Mit Studenten.
Mit zwei männlichen Mitbewohnern Mitte/ Ende Zwanzig im fortgeschrittenen Semester, die irgendwas mit Computern machen.
Und es ist genauso, wie ich mir das Leben in einer WG vorgestellt habe:
die Altbauräume abgewohnt und ein bisschen ranzig, aber den Vermieter kümmert das genausowenig, wie den einen Langzeitbewohner, der es hier schon seit über zwölf Semestern aushält.
Die Küche voll mit Zeug, dass man entweder nicht braucht und sogar doppelt (dafür aber unbedingt auch nur in mäßig sauberem Zustand) hat und den Dingern, die überlebenswichtig erscheinen und deshalb ständig in Benutzung und ungespült sind (aka. Pizzaschneider). Der in drei Fächer eingeteilte Kühlschrank enthält entweder zuviel oder zu wenig, aber in jedem Fall mindestens ein hochprozentigeres Getränk  und eine zufriedenstellende Menge Bier.
Es gibt einen Putzplan, der in der Regel nicht eingehalten wird, bis sich jemand endlich erbarmt und die anderen diktatorisch zu hygienischen Rettungsaktionen verdonnert. Und obwohl es mit soviel Unruhe und einer gehörigen Portion Chaos verbunden ist, fühle ich mich wahnsinnig wohl damit.
Mein Leben von 60 auf 16 Quadratmeter zu reduzieren und meinen Wohnraum mit anderen zu teilen ist das Beste, das mir seit Langem passiert ist. Es relativiert die Dinge, die mir jahrelang so wichtig erschienen und zeigt mir, dass ich doch nicht so ein chronischer Einzelkämpfer bin, wie ich immer gedacht hatte.
Ich mag es, dass Menschen um mich sind.
Ich bin gerne ich Gesellschaft und die Tatsache, dass sich diese beiden anderen Menschen (mehr oder weniger) bewusst dafür entschieden haben, mit mir zusammen zu wohnen und zu leben, fühlt sich gut an.
Nun ist es, bis ich mich nächstes Jahr voraussichtlich beruflich noch einmal verändere, eine vorübergehende Lösung, aber ich kann mir gut vorstellen auch zukünftig das WG-Leben zu bevorzugen.
Ich hab da ein paar Jahre Nachholbedarf.