14. Dezember 2013

Über Vorgartenphilosophien, Briefkastensadisten und warum das Böse neuerdings orange ist

Es gibt Jobs, da lernt man was fürs Leben...
"Oraaaaange trägt nur die Müllabfuhr...lalala!" ^-^
Die letzten dreieinhalb Wochen habe ich für die Entsorgungsbetriebe der Stadt gearbeitet und den Leuten das gebracht, was sie daran erinnern soll, dass sie ja Müll eigentlich trennen und entsprechend getrennt auch entsorgen sollen: Abfallkalender und gelbe Säcke. Also so ne Art Nikolaus...
In grell-orangefarbenen, übergroßen und mit Reflektorstreifen versehenen Jacken rumzulaufen, eine randvoll mit aufgerollten Plastiksäcken bestückte 80-Liter-Tonne hinter mir herzuziehen und sich die Hacken wundzulaufen war zwar jetzt nicht der Weisheit letzter Schluss in Sachen berufliche Neuorientierung, aber es war ja auch nur ein befristeter Job und ich froh, dass ich was halbwegs Sinnvolles zu tun hatte.

Aber was habe ich denn nun in diesen dreieinhalb Wochen gelernt? Tja...
Zum Einen lernt man eine Menge darüber, was diese besondere Art der "Uniform" für Reaktionen bei den Mitbürgern auslösen kann.
Hauptsächlich?
Misstrauen!
Seltsam, aber wahr... wenn man in schrilles Orange gekleidet um eine Eingangstüre herumschleicht, weil man partout den Briefkasten oder etwas ähnliches nicht entdecken kann (dazu gleich noch mehr), dann weckt das beim durchschnittlichen Hausbesitzer anscheinend am ehesten eine der folgenden Assoziationen, die für mich persönlich dann doch eher schwer nachvollziehbar sind:

Ich bin natürlich da, weil ich etwas Böses will, nämlich vornehmlich...
a) ...die Mülltonnen entwenden. - Ich hab ja sonst nix zu tun...und die Dinger müssen natürlich unbedingt verteidigt werden.
b) ...spionieren, ob sich da irgendwer nicht an die Regeln zur Mülltrennung hält.- Big Brother is watching you!
c)...einbrechen/ klauen bzw. Einbruch und Diebstahl planen. - o_O Dazu fällt mir gar nix mehr ein...

Alternativ habe ich dann noch die Reaktion einer Grundschullehrerin (Lieferung einer ganzen Kiste voll gelber Säcke an die Schule) auf meine Frage, ob ich denn mal die Toilette benutzen könne (tatsächlich ein ernstes Problem,wenn man den ganzen Tag draußen unterwegs ist). Ein sehr langer Blick, ein Stirnrunzeln, ein tiefes Luftholen... geschätzte zwanzig Sekunden später ein: "Aber die auf dem Schulhof." als Antwort.
Als Neu-Dienstleisterin fühle ich mich leicht gekränkt, als Ex-Lehrerin frage ich mich, ob man mir allen Ernstes zutraut, dass ich kleine und in leuchtendes Orange gekleidete Person wohl versuche, mit einem Drittklässler unter dem Arm zu verschwinden.
Irritierend.

Zum anderen lernt man die Haus-/Vorgarten-/Eingangsbereichgestaltung der Leute sehr schnell und sicher einschätzen. Gelernt habe ich dabei folgende interessante Fakten, die ich der Übersichtlichkeit halber lieber knapp und durchnummeriert präsentieren möchte, da sie im Fließtext doch einiges an Prägnanz verlieren:

1. Der Briefkasten (alternativ: Die Zeitungsrolle)
Viele Menschen wählen ihre Briefkästen nach rein optischen Kriterien aus. Was zunächst ja auch legitim ist, denn schließlich ist es positiv zu bewerten, wenn sich das gute Stück gestaltungstechnisch in das Gesamtbild eingliedert. Negativ zu bewerten sind allerdings dabei die folgenden Einschränkungen:
a) scharfkantige Sadistenbriefkästen, die entweder von den Eigentümern niemals selbst auf ihre "Einwurfqualitäten" getestet wurden oder gerade aufgrund ihrer bösartig hautaufschlitzenden Eigenschaften ausgewählt wurden.
b) Türschlitzbriefkästen unterhalb einer halbwegs ergonomisch vertretbaren Höhe von 60cm angebracht und mit einem schwergängigen Gusseisernen oder ähnlichem Deckel versehen, die den Einwerfenden nicht nur zu rückenunfreundlichsten Bückvorgängen, sondern auch zum beidhändigen Einwurf zwingen.
c) Form-follows-Function-Briefkästen, die hauptsächlich die Aufgabe erfüllen schön (oder zumindest außergewöhnlich/interessant) auszusehen, darüber hinaus aber leider jegliche Kriterien eines Briefkastens vermissen lassen, z.B.die Aufnahme von Einwurfformaten jenseits des DIN A5 Formats.
d) Eine Unterform von c) bilden die aus dem amerikanischen Raum übernommenen Post-Röhren, die auf den ersten Blick aufgrund ihres Aufnahmevolumens noch einen positiven Gesamteindruck hinterlassen könnten, wenn sie nicht (aus unerfindlichen physikalischen Gesetzmäßigkeiten heraus) sich jeder dauerhaft stabilen Fixierung widersetzen und auf morschen, wackeligen Holzpfählen ein wankendes und schnell materialermüdetes Dasein fristen würden.

2. Der Vorgarten (zur Hölle)
Als Verteiler von Wurfsendungen u.ä. verändert sich sehr schnell der Blick auf die gestalterischen Merkmale von Vorgärten weg von der eigentlichen Ästhetik hin zum effektiven Bürgersteig-Türschwelle-Quotienten. Diesen treiben besonders in die Höhe:
a) Hinterhäuser - Die berüchtigten 14a's oder 25b-f's, die sich entweder im Garten des Elternhauses oder in zweiter Reihe hinter irgendwelchen Altbauten verstecken, von der eigentlichen Straße nahezu unsichtbar (weil ohne Hinweis) und aber stets von engagierten Kleinfamilien bewohnt sind, die auf keinen Fall wollen, dass man ihren 120qm Neubau übergeht.
b) Treppen - Architekten sind Künstler. Das sehe ich ein. Sie bauen lieber außergewöhnliche Häuser in ungewöhnlichen Lagen als den siebzehnten baugleichen Wohnblock oder die fade Reihenhaussiedlung. In die sanften Senken der ostwestfälischen Hanglagen schmiegen sich daher zum Teil Häuser mit solch irrwitzigen Treppenkonstruktionen zu verborgenen Hauseingängen jenseits der vermuteten Eingangslage, die besonders dann außerordentlich vom Verteilenden geschätzt werden, wenn die Witterung den teuren Schlagmichtot-Granit aus Jottwede in Rutschbahnen verwandelt oder man erst nach der kompletten Kletterpartie an der Tür erkennen kann, dass man zu wenig Kalender für die dort vorhandenen Briefkästen mitgenommen hat.
c) verschlungene Pfade - Zwischen kunstvoll zu Kegel, Kugel und Spirale getrimmten Buchsbäumchen hindurch schlängeln sich die im besten Fall halbwegs trittfesten Platten oder schneiden sich alternativ rechtwinklig-zackig durch frischgeharkte Zen-Kiesflächen. Alles nur mit dem einem Ziel: den Weg zwischen Grundstücksgrenze und Hauseingang möglichst eindrucksvoll und möglichst lang zu gestalten. Und der Zusteller jubelt innerlich.
d) Gartentürchen - Dort, wo sie noch in wunderbar spießbürgerlicher Weise erhalten sind, bilden sie eine Barriere entweder zur natürlichen Selektion auf Basis der Intelligenz der Besucher oder zur Belustigung der Anwohner. Für diese stellt die Suche nach Anschlagseite, Öffnungsrichtung, Hebel- oder Schließvorrichtung sowie die Panik der Eintretenden bei der Feststellung, dass man das wackelige oder schlimmstenfalls morsche Konstrukt nie wieder in die Ausgangsstellung bringen wird, mit Sicherheit ein besseres Unterhaltungsprogramm dar als jede nachmittägliche Dokusoap.

3.Des Menschen bester Freund und sein "Herrchen/Frauchen"
Ich mag Hunde. Vielleicht will ich auch mal irgendwann einen Hund. Aber es geht mir mittlerweile fast so wie beim Anblick von Familien mit hoffnungslos nervtötenden Kindern in der Öffentlichkeit: die Angst in Erziehungsangelegenheit ähnlich zu scheitern und einen derartigen Zustand der Unzumutbarkeit zu verursachen wächst und wächst. Für Kinder und Hunde braucht man echt ein Händchen. Für das Fehlen dieses Händchens im zweiten Fall habe ich jetzt mittlerweile reichlich Erfahrungswerte sammeln können.
a) "Hinter-der-Tür-Kapriolen-Springer" - Meist schon beim Annähern (mit dem bollernden 80-Liter-Monster hinter mir zugegebenermaßen keine sehr unauffällige Angelegenheit) oder spätestens beim Öffnen des Briefschlitzes sind sie da. Und ab diesem Moment geht der Zirkus los. Manchmal mischt sich in das ungute Gefühl, wenn die mehr als instabil aussehende Haustüre und den Sprungattacken des Vierbeiners bis ins Mark erschüttert wird trotzdem auch die Besorgnis, dass derart ausdauerndes und aufgeregtes Kläffen und Saltoschlagen nicht gesund für die Herzgesundheit des Tieres sein kann. Besonders mitleidig wird man, wenn das erbärmlich hohe Gekläffe auf irgendeinen hoffnungslos überzüchteten Schoßhund schließen lässt, der - wenn man die Türe öffnen würde - entweder vor Schock spontan einen Infarkt erleiden würde oder aber zumindest vor Nervosität nicht mehr Herr über seine Blasenfunktion wäre.
Wozu sich Menschen mit solch einem Hundeverhalten überhaupt noch eine Türklingel anschaffen, ist mir schleierhaft.
b) "Der Freiläufer" - Wenn ein durchschnittlich über kniehoher Hund quer durch einen Garten oder über einen Hof auf dich zugestürmt kommt und weit und breit niemand Menschliches in der Nähe zu sehen ist, der sich als potentielles Herrchen/Frauchen zu erkennen gibt, dann bleibt dir eigentlich nur die Hoffnung, dass eben diese zuständigen Personen keine unkontrollierbare Bestie unangeleint herumlaufen lassen würden.
Meist stimmt das auch und das stürmische Kerlchen ist ein allerliebster Schwanzwedler oder verzieht sich eben nach anfänglich lautstarker Gebietsmarkierung letztendlich doch kleinlaut in seine Ecke.
Aber dieser erste Moment - manchmal schon,wenn man irgendwo den liebreizend grellgelben Hinweis auf einen Freiläufer entdecken kann - ist einfach sehr, sehr, sehr unangenehm.

Tja... ich habe kurzzeitig überlegt, ob ich beim nächsten Job mal als Zählerstandableserfrau oder ähnliches anheuern soll. Jetzt habe ich ja im "Hausieren" schon ein wenig Vorerfahrung und die Eindrücke waren schon reichlich und vielfältig. Aber irgendwie...

Vielleicht doch als Nächstes mal wieder was ganz anderes.
Büro vielleicht.
Oder Werkstatt.
Oder Backstraße.
Oder Nachtportier.
Oder Maskottchen.
Oder...









2. Dezember 2013

Sturm und Drang [pp33]

manche menschen kleckern in unser leben,
breiten sich dort allmählich, ja gemütlich aus, 
rücken sich einen stuhl zurecht und nehmen platz
füllen diesen platz dann still, angenehm, unauffällig.

wir lassen sie dort, fühlen uns entweder wohl
oder zumindest doch nicht wesentlich gestört
durch ihr dasein, ihre bloße anwesenheit bei uns
und manchmal genießen wir ja auch ihre nähe.

andere menschen wirbeln alles auf wie ein sturm,
bringen unordnung und chaos und verwirrung,
auf einmal sind sie da wie aus dem nichts
und manchmal auch genauso schnell verschwunden.

sie bringen uns durcheinander, aber auch frischen wind,
zerren an unserer geduld, beuteln unsere bequemlichkeit
und obwohl uns bewusst ist, dass sie frei sein müssen
wecken sie den drang sie halten zu wollen.


1. Dezember 2013

emotionale Fehlsichtigkeit

e│mo│tio│na│le   Fehl│sich│tig│keit, die, -en (Neologismus; med.)

Die Empathie und Fremdeinschätzung gegenüber Personen beeinflussende Wahrnehmungsstörung, deren Grad der Ausprägung sowie die Möglichkeit eines chronischen Verlaufs von der individuellen Affektivität dem anderen gegenüber abhängig ist. Es werden vier typische Symptomatiken beobachtet, die sowohl einzeln als auch in Kombination in Erscheinung treten können:

1. Kurzsichtigkeit
Das emotional kurzsichtige Individuum zeichnet sich durch ein hohes Maß an Empathielosigkeit aus und entwickelt aus diesem Unvermögen heraus häufig diverse Probleme auf zwischenmenschlicher Ebene. Je nach Ausprägungsgrad erlebt es diese Komplikationen als belastend (z.B. in Form von "Auf-dem-Schlauch-stehen" oder "Die-Welt-nicht-mehr-verstehen") oder nimmt sie nicht einmal als solche bewusst wahr ("Is-was-Syndrom").
Nicht nur die emotionale Lage von anderen, teilweise sogar nahestehenden Personen einzuschätzen, ist für den Kurzsichtigen extrem schwierig. Oft scheitert er sogar bereits an der Selbsteinschätzung.

2. Weitsichtigkeit
Im Gegensatz zur Kurzsichtigkeit, tritt die emotionale Weitsichtigkeit verstärkt bei Individuen auf, die im Bekanntenkreis generell eher zu den Ratgebern in Gefühlsfragen gerechnet werden. Es gelingt ihnen meist sehr gut aus der Position des angemessenen emotionalen Abstands ("Weite") heraus, Handlungsweisen und Absichten dritter Personen zu analysieren und dem Ratsuchenden - meist einer Person mit nicht ausreichendem emotionalen Abstand zu diesem Dritten - hilfreich zur Seite zu stehen.
Sehr zum Leidwesen des Weitsichtigen kann diese Fähigkeit aber ausgerechnet nicht auf die eigenen zwischenmenschlichen Kontakte und dort entstehende Konflikte angewandt werden, da es dem Betroffenen nicht (oder nur äußerst schwer) gelingt, entsprechenden emotionalen Abstand herzustellen.
Erschwerend kommt in vielen Fällen noch hinzu, dass sich die Weitsichtigen ihrer Fehlsichtigkeit lange Zeit nicht bewusst sind und so ggf.sogar eigene Beziehungen und Freundschaften selbst sabotieren.

3. Star ("Verklärung")
Bei emotionaler Fehlsichtigkeit, die durch einen Star hervorgerufen wird, tendieren die Betroffenen dazu, sich mit übertriebener Zugewandtheit (seltener Ablehnung) nahezu ausschließlich einer Person zu widmen, die ihnen nicht persönlich, sondern lediglich durch mediale Berichterstattung bekannt ist. Die realistische Fremd- und Selbsteinschätzung sind über einen vorher unbestimmten Zeitraum massiv getrübt und werden durch Wunschvorstellungen und Idealisierung ersetzt.
Besonders die Pubertät ist eine Phase mit nicht selten mehrfach aufeinanderfolgenden Phasen der Star-Erkrankung, die sich z.T. gegenseitig ablösen und in der Regel aber mit fortschreitender Reife abnehmen. Aber auch im Erwachsenenalter lassen sich noch zahlreiche extreme Verläufe verzeichnen.

4. Verkrümmung
Bei der Verkrümmung handelt es sich um eine Form emotionalen Fehlsichtigkeit, die für den Betroffenen besonders schwerwiegende Folgen haben kann und für Außenstehende sehr schwer nachvollziehbar ist.
An Verkrümmung Leidenden gelingt es nicht, das Verhalten Dritter auch nur annähernd absichtsgemäß zu deuten. Dies führt dauerhaft zu massiven Alltagsproblemen, wenn z.B. wohlmeinendem Verhalten grundsätzlich üble Absichten zugrunde gelegt werden oder im anderen Extrem selbst hinterhältigsten Schachzügen mit absoluter Gutgläubigkeit begegnet wird.
Prägende Erlebnisse (z.B.in der Kindheit oder als Heranwachsender) können eine dauerhafte Verkrümmung der emotionalen Wahrnehmung begünstigen, deren Behebung meist nur äußerst mühsam erfolgen kann. Nicht selten bleibt die Fähigkeit sich emotional zu binden dauerhaft gestört.

18. November 2013

warmhalteplatte

anfangs frisch und heiß und gut,
wohltuend und intensiv
man reißt sich darum,
es endlich wieder in händen zu halten

doch schon nach einigen runden 
lässt die begeisterung nach,
der eine ist noch heiß darauf,
der andere längst nicht mehr so sehr

die überlebenszeit künstlich verlängert,
warmgehalten, was längst erkaltet wäre,
dennoch nur selten bereitschaft,
es zu beenden und neu zu beginnen

der geschmack verändert sich,
wird schal oder säuerlich,
manchmal geht es nur noch bitter hinunter,
nur noch selten greift man beim angebot zu

ein rest, ein trauriges überbleibsel
von dem, was einst so begehrt war,
bleibt stets zurück und ungewollt,
bis man es schließlich gnädig entsorgt


17. November 2013

Nachholbedarf

Zwischen 2000 und 2005 habe ich studiert.
In Braunschweig.
Geisteswissenschaften an einer technischen Universität.
Das allein war schon keine ganz so ideale Wahl im Nachhinein, aber darüber braucht man sich jetzt auch nicht wirklich mehr ärgern. Dass ich dort mit Germanistik (abgebrochen) und Lehramt (abgeschlossen) nicht gerade die für mich idealen Studiengänge gewählt habe langfristig, konnte ich damals genausowenig wissen, wie ich heute eben weiß, dass ich als Zuhause-bei-den-Eltern-Wohnenbleiberin verdammt viel vom Unileben verpasst habe.
Ich habe während meiner Studentenzeit an sage und schreibe zwei Uni-Partys teilgenommen und habe nie in einer WG gewohnt.
Bis jetzt.
Jetzt, acht Jahre nach meinem ersten Staatsexamen wohne ich in einer WG.
Mit Studenten.
Mit zwei männlichen Mitbewohnern Mitte/ Ende Zwanzig im fortgeschrittenen Semester, die irgendwas mit Computern machen.
Und es ist genauso, wie ich mir das Leben in einer WG vorgestellt habe:
die Altbauräume abgewohnt und ein bisschen ranzig, aber den Vermieter kümmert das genausowenig, wie den einen Langzeitbewohner, der es hier schon seit über zwölf Semestern aushält.
Die Küche voll mit Zeug, dass man entweder nicht braucht und sogar doppelt (dafür aber unbedingt auch nur in mäßig sauberem Zustand) hat und den Dingern, die überlebenswichtig erscheinen und deshalb ständig in Benutzung und ungespült sind (aka. Pizzaschneider). Der in drei Fächer eingeteilte Kühlschrank enthält entweder zuviel oder zu wenig, aber in jedem Fall mindestens ein hochprozentigeres Getränk  und eine zufriedenstellende Menge Bier.
Es gibt einen Putzplan, der in der Regel nicht eingehalten wird, bis sich jemand endlich erbarmt und die anderen diktatorisch zu hygienischen Rettungsaktionen verdonnert. Und obwohl es mit soviel Unruhe und einer gehörigen Portion Chaos verbunden ist, fühle ich mich wahnsinnig wohl damit.
Mein Leben von 60 auf 16 Quadratmeter zu reduzieren und meinen Wohnraum mit anderen zu teilen ist das Beste, das mir seit Langem passiert ist. Es relativiert die Dinge, die mir jahrelang so wichtig erschienen und zeigt mir, dass ich doch nicht so ein chronischer Einzelkämpfer bin, wie ich immer gedacht hatte.
Ich mag es, dass Menschen um mich sind.
Ich bin gerne ich Gesellschaft und die Tatsache, dass sich diese beiden anderen Menschen (mehr oder weniger) bewusst dafür entschieden haben, mit mir zusammen zu wohnen und zu leben, fühlt sich gut an.
Nun ist es, bis ich mich nächstes Jahr voraussichtlich beruflich noch einmal verändere, eine vorübergehende Lösung, aber ich kann mir gut vorstellen auch zukünftig das WG-Leben zu bevorzugen.
Ich hab da ein paar Jahre Nachholbedarf.



31. Oktober 2013

Moment...muss noch eben mein Podest fertig bauen.

Habe kürzlich schmerzlich feststellen müssen, dass es durchaus an Unmöglichkeit grenzt sich selbst und allein auf Händen zu tragen.
Habe daher nun beschlossen, mir stattdessen selbst ein Podest zu bauen.
Bin ja praktisch veranlagt.

Die hauchfeine Note Resignation und die Prise Zynismus ignorierend, liegt die wesentliche Hauptkomponente dieses Selbstbeweihräucherungsmenüs definitiv in der viel positiveren Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Habe entschieden, dass es meinem Leben einen entscheidenden Schubs in die richtige Richtung geben kann, wenn ich nicht mehr allein darauf warte, dass jemand um die Ecke kommt und urplötzlich das spontane Bedürfnis verspürt mich kleinen Zwuckel vom Boden aufzuheben und auf Händen durch die Menge zu tragen.
Was ich durchaus verdient hätte.
Habe es mir vielmehr zum Auftrag gemacht, es den liebenswerten, interessanten und umwerfenden Personen da draußen einfach ein bisschen leichter zu machen, mich zu finden und als ebenso liebenswert, interessant und umwerfend einzuschätzen.
Als Ideal wird dazu aufgestellt, dass man sich auf Augenhöhe begegnet. Aufgrund meiner geringen Körpergröße eher im übertragenen Sinn gemeint. Klare Sache.
Kam in der Vergangenheit aber immer wieder vor, dass ich mein Gegenüber auf ein Podest stellte und damit über kurz oder lang unerreichbar machte.
Konnte auf Dauer nicht gut gehen.
Plan lautet daher nun, eigenes Podest fertig stellen und pflegen, frische Luft dort oben genießen, freien Kopf  behalten.
Und bei Gelegenheit liebenswerte, interessante und umwerfende Person, die mich in der Menge ausfindig gemacht hat, auf eben dieses Podest einladen.
Neben mich.
Auf Augenhöhe.
Im übertragenen Sinn.
^-^

10. Oktober 2013

chances/choices/changes


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want to change? make the choice when you get the chance.
got a chance? make a choice to change something.
got no choice? there's your chance to change.

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hinweis:
kleine blog-pause.
viel zu tun derzeit.
gedankenmachen beschränkt sich momentan auf alltagsproblemchen und organisatorisches.
bald wieder mehr.
^-^

6. Oktober 2013

screen burn

Gedachtes, Geschriebenes, Vorgestelltes, gesehen als Bild, gesehen als Film, abgespielt vor dem inneren Auge, gespürt, gefühlt, gerochen, geschmeckt...
So vieles, was sich auf unserer Festplatte, auf unserem Bildschirm abbildet. Manches davon taucht nur ein einziges Mal auf.
Ein kurzes Flackern, das wir manchmal fast versäumen und uns hinterher fragen, ob wir es uns nur eingebildet haben oder ob es wirklich da war.
Anderes kommt wiederholt vor und wir gewöhnen uns an den Anblick. Heißen ihn willkommen wie eine lange nicht gesehene Folge unserer Lieblingsserie. Oder ignorieren, was wir sehen, weil es nicht unbedingt die beste Aussicht des Tages ist.

Und dann noch die Dinge, die sich festbrennen in unserem Gedächtnis, wie die Fenster auf unseren alten Röhrenbildschirmen, wenn wir früher vergaßen den Schoner zu aktivieren.
Auch wenn man die Erinnerung abschalten möchte, die Spuren bleiben sichtbar. Sie rufen wach, was gewesen ist. Auch hier manchmal ein willkommenes Geschenk oder ein schmerzliches Bohren in alten Wunden. Manchmal schön darin zu schwelgen, manchmal Geißel, von der man sich losreißen möchte, müsste... und dann doch nicht kann.
Screen burn.
Eingebrannt.
Manchmal selbst noch im abgeschalteten Modus erkennbar, wirft es Fragen auf.
Wie kommt es dazu, dass sich manche Eindrücke scheinbar so viel schneller und tiefer in auf unseren Schirm einzubrennen scheinen als andere?
Von welcher Qualität sind diese Erinnerungen, dass wir sie nicht so ohne weiteres loslassen wollen oder können?

27. September 2013

Kopf und Kragen

Liebe Inkonsequenz, liebes Mitteilungsbedürfnis, liebe Unsicherheit...

vielen Dank, dass ihr mich immer wieder in Teufels Küche bringt. Mein Leben wäre auch wirklich furchtbar ereignislos und langweilig, wenn ich nicht immer wieder einem von euch dreien - oder im schlimmsten Fall gleich allen - nachgeben würde. Aber vielleicht sollte ich euch eher noch persönlicher und direkter ansprechen, schließlich will ich euch ja auch in vollem Maße gerecht werden. Also dann...

Beginnen wir also mal mit dir, liebe Unsicherheit.
Ja, zugegeben: Allzu oft lasse ich dich mittlerweile nicht mehr mitspielen in meinem Leben und vielleicht bist du ja deswegen ein bisschen beleidigt und hältst dich in den wenigen Ressorts, die ich dir gelassen habe, deshalb auch besonders hartnäckig. Ich kann nicht sagen, dass es mir besonders leidtut, dass wir nicht mehr so dicke "Freunde" sind wie noch zu Teenagerzeiten, aber damit dürftest du gerechnet haben. So ist der Lauf der Dinge. Aber so ganz hast du mich eben auch noch nicht verlassen und manchmal ist es wirklich schon albern, in welchen Augenblicken du meinst, dich aufspielen zu müssen. Sind wir doch mal ehrlich! Wie lächerlich ist es denn bitte, dass du mir noch heute bei Telefonaten dazwischenfunkst, die eine erwachsene Frau in meinem Alter doch nun wirklich nicht mehr ins Bockshorn jagen sollten? Ich kann mir vorstellen, wie komisch du das findest... aber so geht es doch nicht weiter!
Besonders charmant finde ich es übrigens auch, dass du dich wie ein kleiner schwarzer Schatten immer dann hinterrücks an mich heranschleichst, wenn ich gerade in einem Bereich neue Selbstsicherheit dazugewonnen habe, um diese sogleich wieder mit Zweifeln zu spicken und zu hinterfragen. Grandios.
Ich glaube, wenn ich dich endlich mal anständig kleingekriegt habe, wirst du mir nicht fehlen. Tut mir leid.

Ein bisschen ambivalenter stehe ich dagegen dir gegenüber, liebes Mitteilungsbedürfnis. Im Grunde kann ich deine Absichten und Beweggründe nämlich immer sehr gut verstehen. Ja, eigentlich verstehen wir uns sogar sehr, sehr gut. Du weißt, was ich denke, was ich fühle und meist auch, resultierend aus diesen beiden Aspekten, was ich will. Aber wir sind uns leider nicht immer einig darüber, wann der richtige Moment für dich gekommen ist, das was du weißt kundzutun. Es stimmt, meistens schätzt man unsere Offenheit und Ehrlichkeit... aber manchmal kommt sie auch einfach zu direkt oder zu früh. Ich wünschte, du würdest dich einfach öfter gedulden und etwas mit mir zusammen abwarten, bis ich mir etwas sicherer bin (an dieser Stelle noch mal "Danke" an die Unsicherheit, die olle Ziege...).
Oft haust du Kritik, Wünsche oder Bekenntnisse schneller raus, als mir lieb ist und ich kann sie nicht mehr zurücknehmen. Einmal gesagt, ist gesagt. Einmal geschrieben, ist geschrieben. Einmal abgeschickt, ist abgeschickt. Nicht, dass ich unbedingt inhaltlich etwas zurücknehmen möchte, von dem was du ausplauderst, aber der Zeitpunkt.. liebes Mitteilungsbedürfnis...der Zeitpunkt!

Tja...und nicht zuletzt bleibst da noch du, liebe Inkonsequenz. Dir hatte ich ja schon vor Jahren einen halben Roman gewidmet und ich muss leider sagen, dass ich dich immer noch nicht annähernd in den Griff bekommen habe. Alle halbwegs lästigen Aufgaben des Alltags sabotierst du immer noch regelmäßig und sorgst dafür, dass mein Gewicht immer ein bisschen zu hoch, meine Wäschekörbe immer ein bisschen zu voll und meine Wohnung immer ein bisschen zu unaufgeräumt sind.
Noch viel ärgerlicher finde ich allerdings deine Eigenschaft, mein guten Vorsätze in Punkto zwischenmenschliche Beziehungen ständig zu unterwandern. Glaub mir, ich denke mir eigentlich etwas dabei, wenn ich beschließe, mich erstmal nicht bei jemandem zu melden, um eine Reaktion abzuwarten oder demjenigen Zeit zu geben. Aber das scheint dich nicht besonders zu interessieren. Angestachelt von der Unsicherheit, der blöden Kuh, verbündest du dich dann auch prompt mit dem gutmeinenden Mitteilungsbedürfnis und schon bringt ihr drei mich dazu, mich um Kopf und Kragen zu reden.

Ja, ihr drei seid schon sehr spezielle Eigenschaften. Wir werden uns wohl auch in Zukunft irgendwie miteinander arrangieren müssen. Mal sehen, was das noch gibt...

24. September 2013

Ode an... [pp33]

...Papa


In seichter See und in brausenden Fluten
   Mein Felsen mit Blick bis zum Horizont,
      Der mich kilometerweit auf Schultern trug,
          Die niemals müde zu werden schienen!

Eine Stimme, mal donnernd, mal voller Musik,
   Die Hände ganz rauh, die Umarmungen sanft
     Und wissen, dass hinter dem ewigen Bart
         Tausend und eine Geschichte warten!

Die Liebe zur Musik, den Willen zum Gestalten,
   Zwei brauchbare Hände, die zupacken woll'n
      Und dieses Quäntchen Sturheit und Unbeugsamkeit,
         Nicht aufgeben können, das ist uns gemein!     

Die "beste Tochter" bleibt immer ein bisschen klein,
   Doch die Freiheit zu erfahren, die lässt du mir,
      Denn insgeheim ist doch die Ähnlichkeit groß
         Und nicht nur äußerlich bleib ich ein Papakind!


15. September 2013

atme [mix/tape]

In der Dämmerung sitzt du in diesem Raum. Allein. Aus der Ecke, aus der Stille der Schatten bewegt sich die Dunkelheit auf dich zu wie eine Wolke, die den Mond nach und nach verdeckt. Es gibt absolut kein Geräusch. Du bist dir dieser Stille absolut bewusst. Sie ist so berechenbar da wie die Sonne am Himmel oder die Tatsache, dass die Flügel einer Windmühle stillstehen, wenn kein Wind weht.
Du hast schon eine ganze Menge Leid gesehen, warst Zeuge, was das Leben alles anstellen kann mit einem. Spuren davon lassen sich in den Handabdrücken ablesen, die die Wände dieses Raumes zieren. Sie pflastern den Raum und erinnern dich, wie endlos die Zeit ist und wie endlos man sich darin verlieren kann. So wie du selbst dich auch schon darin verloren hast.
Du suchst angestrengt nach den Antworten auf Fragen, die du gerade erst gefunden hast. Ein ewiger Kreislauf. Was du findest, bringt dich nicht wirklich weiter, sondern verwirrt dich nur noch mehr. Allmählich scheinst du den Kontakt oder zumindest das Gefühl für den festen Boden unter deinen Füßen zu verlieren. 
Doch egal wie still es ist, vergiss darüber nicht zu atmen. Atme ein, atme aus. Dein ganzes Leben findet jetzt und hier statt, auch wenn das nicht der Ort ist, an dem du lange verweilen möchtest. Also warte nicht auf eine Gnadenfrist etwas zu ändern. Versuche nicht nur einfach deinen Kopf irgendwie über Wasser zu halten, sondern lebe.
In vollen Atemzügen.
In diesem Jetzt und Hier.
Atme ein.
Atme aus.

[songgeschichte zu "breathe" von Alexi Murdoch]

Link zum Song auf YT.

Mehr über mix/tape und andere Songgeschichten gibt's HIER.


14. September 2013

verrückte zeit [mix/tape]


Ich komme mir total blöd vor, aber ich weiß, das wird nicht lange anhalten. Ständig mache ich mir Gedanken, versuche zwischen den Zeilen zu lesen und zu vermuten, was du meinen könntest oder was du willst. Aber ich könnte auch ziemlich daneben liegen. So langsam müsstest du das ja schon von mir kennen oder? Diese ganze verrückte Zeit, die wir hinter uns haben... das kann einen echt fertig machen.
Zum Glück ist dieses Gefühl von Unzulänglichkeit etwas, was kommt und wieder geht. Ich habe mich so verändert in dieser Zeit und es ist so seltsam, dass das überhaupt keiner zu bemerken scheint. Du und ich, wir unterhalten uns zwar ständig über die unterschiedlichsten Sachen, aber wo das alles hinführen wird, dieser kleine Wahnsinn, den wir da durchleben, dieser Frage weichen wir immer geschickt aus.
Und du stehst jetzt da und siehst aus wie die Antwort auf alle meine Fragen. Und es kommt mir fast so vor, als ob du genau deswegen auch hier bist... weil du das bist, was ich brauche.
Meinst du, du kommst damit klar? Hast du mich vielleicht längst durchschaut, wie verloren und hoffnungslos ich bin, obwohl ich dir das nie erzählt habe?
Ich führe mich manchmal so blöd auf und das scheint überhaupt nicht besser zu werden. Trotzdem weiß ich, dass du trotz allem auf mich stehst. Auch wenn du manchmal abweisend oder unnahbar zu sein scheinst, wütend bist oder plötzlich deine Meinung änderst. Wer könnte dir das in dieser verrückten Zeit übel nehmen, es geht mir ja nicht anders.
Also, wie sieht's aus? Wirst du nur da rumstehen und abwarten, was ich tue oder hilfst du mir ein bisschen dabei, das voranzubringen zwischen uns? Ich weiß einfach nicht, wie ich weitermachen soll, damit das hier einen Schritt weiter geht. Ich könnte heulen, weil ich mich so hilflos fühle. Natürlich könnte ich wieder versuchen mein Leben allein zu leben, ich weiß, dass ich das kann. Ich kann stark sein. Aber ich will das momentan gar nicht.
Also, kann mir bitte mal einer erklären, warum ich mir so dumm vorkomme und warum ich dich so unbedingt bei mir wissen möchte?
Das ist echt eine verrückte Zeit, das hier mit dir.


[Songgeschichte zu "mad season" von Matchbox 20]
Link zum Song auf YT

13. September 2013

Passivititis

Pas│si│vi│ti│tis , die, - (Neologismus; med.)

Als schmerzhaft und lästig wie eine Entzündung empfundenes Gefühl der erzwungenen Untätigkeit, das sich zunächst in eine akute und eine chronische Passivititis untergliedern lässt.

1. Differenzierung
Entscheidend für die Unterscheidung der beiden Formen ist weniger die Symptomatik,auf die im anschließenden Abschnitt noch ausführlicher eingegangen wird, als die Dauer, in der diese empfunden wird.

a) Akute Passivititis entsteht meist durch spontan und unvorhersehbar einsetzende Umstände, die das aktuelle Zielvorhaben behindern bzw. sogar ganz unterbinden (z.B. Flug- oder Zugausfälle, spontane Absagen am Freitagabend). Zu einem anderen Zeitpunkt oder nach der meist kurzfristig durchführbaren Beseitigung der besagten Umstände, kann die Vision aber dennoch noch durchgesetzt werden und die Passivititis klingt ebenso schnell ab, wie sie aufgetreten ist.

b) Bei einer chronischen Passivititis wird die individuelle Vision oder der konkrete Wunsch des Tätigwerdens längerfristig oder sogar endgültig durch die äußeren Umstände in der Umsetzung sabotiert. Die auftretenden Symptome werden als zunehmend frustrierend empfunden und führen nicht selten zu besonders tückischen Verläufen wie Kurzschlusshandlungen oder Selbstsabotage. Da diese frustgesteuerten Reaktionen wiederum ihrerseits negative Rückwirkungen auf die auslösenden Umstände haben, ist eine Rezidiverkrankung der Passivititis wahrscheinlich.

2. Symptomatik
Typische erste Anzeichen für eine Passivititis sind die charakterlich individuell ausgeprägten Anzeichen von Ungeduld, wie z.B. Nägelkauen, Däumchendrehen, Auf-und-Abgehen oder Kugelschreiberklicken. Diese werden dann bei länger andauerndert Einschränkung durch die besagten Umstände intensiviert und durch auffallendere Störungen des Verhaltens, wie z.B. Selbstgespräche, wiederholtes Haareraufen oder betont genervte und enttäuscht klingende Missfallenslaute ergänzt.
Bei starken und ansonsten entschlussfreudigen Charakteren findet sich außerdem ein Hang zu energischen Kompromissfindungsversuchen, um die Umstände dahingehend zu beeinflussen, zumindest eine reduzierte Variante der angestrebten Vision doch noch verwirklichen zu können. Ziel ist es, damit dem Leidensdruck zu entkommen, der sich aus dem Gefühl der auferlegten Untätigkeit ergibt. Das mögliche Scheitern dieser Kompromisse vertieft das Frustrationsempfinden jedoch noch zusätzlich und die Passivititis kann einen chronischen Verlauf nehmen (s.o.).
In einer speziellen Form kann sich die Symptomatik auch aus einer anfänglich positiv empfundenen Untätigkeitsphase wie einem langen Urlaub (bei Schulpflichtigen und Lehrkräften auch am Ende der Sommerferien) oder einer nicht berufstätigen Phase entwickeln. In diesem Fall spricht man von einer sekundären Passivititis, die aufgrund der meist absehbaren zeitlichen Begrenzung selten einen chronischen Verlauf nimmt.


10. September 2013

s-inking in

like reverse-ink sinking up from below 
from the deepest subconscious 
to materialize on the surface 
of your brain and heart 
creeping into details 
until it's finally revealed 
you feel like you've opened your eyes for the first time 
not sure if you like what you see 
you're giving this thought a try 
testing it's taste with the tip of your tongue 
still not aware if it's sweet or sour 
where does this come from 
is there still more of it underneath 
you'll have to wait to let it sink in even more 
you have to be sure before you can accept it 
draining your thoughts 
being tattooed into your heart 



9. September 2013

antwortangst

wüsste gerne, was du glaubst.
bin perplex, als du erlaubst,
jede frage dich zu fragen.
frage ich mich, würd ich's wagen,
das zu fragen, was ich will.
will es tun, doch ich bleib still.
halte inne, frage mich,
ist das richtig, will ich dich?
was riskier ich, wenn ich's tu?
hör mir selbst beim denken zu.
frage mich, was du dann machst,
ob du ernst bleibst oder lachst?
und generell was du dann sagst,
ob du mich genauso magst?
vielleicht hast du die gleiche frage
und wartest drauf, dass ich es wage?
zögerst auch, hoffst oder bangst
und hast genauso antwortangst.

3. September 2013

.sollte.könnte.dürfte.wollte.möchte.müsste.

Es ist einer dieser Tage.
Oder viel besser gesagt, es sind einige Tage wie dieser, die eine Phase bilden. Eine Phase, in der man rekapituliert und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft...ja, irgendwie das Leben an sich auseinandernimmt.
Was will man überhaupt vom Leben? Wo soll es hingehen und was soll darin geschehen?
Ich habe rückblickend das Gefühl, ich hätte schon so oft die Wünsche und Richtungen geändert und umgeworfen, aber vermutlich täuscht dieser Eindruck oder ist im Grunde gar nicht so dramatisch, wie es mir momentan erscheint.
Wie oft habe ich Menschen beneidet, die einen genauen Plan vom Leben haben oder zumindest zu haben scheinen? Es gibt sie da draußen, ich kenne einige von ihnen. Sie erwecken den Eindruck der Unerschütterlichkeit, der Unbeirrbarkeit. Was auch immer ihnen diese Selbstsicherheit gibt, mit der sie ihren Weg wie auf unsichtbaren Schienen verfolgen, deren Weichen nicht mal durch das schnöde Schicksal zu beeinflussen sind, ich habe das immer auf die ein oder andere Art bewundert. Natürlich verspürt man selbst auch immer wieder mal diese Gefühle der Bestätigung und Zuversicht. Dieses Urvertrauen in eine Idee, die einfach richtig sein muss. Aber doch bleiben das seltene Momente, denen man im Augenblick der nächsten Unsicherheit wieder nachtrauert.
Beneidenswert sind auch diejenigen, die genau das andere Extrem in völligem Einklang mit sich selbst leben. Diejenigen, die sich vom Leben treiben lassen wie ein Korken im Fluss. Immer oben auf, immer mit einer gehörigen Portion Optimismus ausgestattet, immer bereit, die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Auch wenn sie nicht mit der gleichen Zielstrebigkeit und scheinbar planlos durchs Leben gehen, strahlen auch sie diese bewundernswerte Souveränität aus.
Aber beide Konzepte, und seien sie noch so attraktiv in dieser Phase, passen einfach nicht jedem. Sie sind wie zwei wunderschöne Paar Schuhe, die nur leider nicht in der eigenen Größe erhältlich sind.
Was also tun?
Wieder einmal Bestandsaufnahme machen, Wünsche und Richtungen noch einmal betrachten... Und vor allem bisherige Standpunkte auf ihre Gültigkeit hin überprüfen. Eines meiner Lieblingszitate dazu ist von Erich Kästner und der hat mal gesagt, man könne ruhig auf seinem Standpunkt stehen, man solle nur nicht darauf sitzen. Also nutze ich diese Phase des Umbruchs, Neubeginns - wie auch immer man es nennen will - und versuche genau darauf zu gucken, auf meine nicht so genauen Pläne vom Leben, die ich nie so durchziehen werde, wie die Planvollen. Sind die Entscheidungen noch immer richtig, ist es noch das was ich will?



Sollte ich nicht auch mal wieder versuchen, mich wie ein Korken treiben zu lassen?
Könnte ich mir nicht einen ganz anderen Plan vom Leben auch vorstellen?
Dürfte ich mir nicht mal erlauben, mich selbst in einem anderen Licht zu sehen?
Wollte ich nicht mal etwas anderes sein oder werden?
Möchte ich manche Dinge wirklich nicht oder habe ich nur Angst davor es zu versuchen oder zuzugeben?
Müsste ich es nicht mir zuliebe wenigstens einmal versuchen?



Konjunktiv II. Modalverben... der Teil in mir, der mal Deutschlehrerin war, kennt die grammatikalischen Zusammenhänge und die Auswirkungen dieser kleinen Wörter auf die Aussage des Satzes. Wunschdenken. Das große, aber nichtssagende Bla.
Aber wenn ich die Lehrerin jetzt zurücklasse und mich ganz allein als Wesen betrachte, das auf der Suche ist nach einem - nach dem richtigen Platz im Leben, dann sind diese Fragen berechtigt und eine Auseinandersetzung mit ihrer Beantwortung entscheidend. Also dann...

Ich sollte lasse mich mal wieder treiben lassen.
Ich kann stelle mir einen ganz anderen Plan vorstellen und ihn in die Tat umzusetzen, reizt mich mehr als alles andere.
Ich darf erlaube mir selbst alles erlauben. Nur für mich und vor mir selbst.
Ich will finde herausfinden, was ich wirklich will und ich will stehe dazu stehen.
Ich möchte schließe Dinge nicht mehr kategorisch ausschließen, die mein Leben bereichern können, sondern möchte lasse mich darauf einlassen, wenn es sich ergibt und richtig anfühlt.
Und ich muss dazu nur eins... an mich glauben.

28. August 2013

Stehaufmädchen

Zieht mir den Boden weg,
stürzt mich aus großen Höhen,
bindet mich mit Fesseln,
nehmt mir alles, was mich scheinbar aufrecht hält.

Doch ich spüre den Grund unter mir,
bin nicht so leicht zu zerbrechen,
warte geduldig auf eine Chance mich freizukämpfen,
richte mich immer wieder auf.

Selbst wenn sich alles in mir sträubt,
ich am liebsten liegen bleiben und
mich geschlagen geben würde,
letztendlich stehe ich doch wieder auf.

Immer.




23. August 2013

das eine [mix/tape]

Inmitten all dieser Menschen hat man selten das Gefühl allein zu sein und doch kann Einsamkeit dafür sorgen, dass man sich innerlich irgendwie tot fühlt.
So geht es ihr jedenfalls.
Auch wenn es unmöglich ist, alle Zusammenhänge zu verstehen, ertappt sie sich immer wieder dabei, dass sie es versucht.
Und ausgerechnet jetzt ist er ihr über den Weg gelaufen und sie fragt sich, was es damit wohl auf sich hat.
Haben sich ihre Wege vielleicht nur deshalb gekreuzt, damit er ihr einige Zeit durch den Kopf schwirrt und dann wieder verschwindet? Oder ist er vielleicht der Grund dafür, dass sie einfach mal alle Bedenken und den falschen Anstand über Bord wirft?

Diese Welt ist wirklich schon deprimierend genug. Eigentlich wollen wir doch alle nur frei und glücklich sein. Oft ist sie erstaunt darüber, wie leicht es ihr nach Rückschlägen fällt, wieder daran zu glauben, dass alles gut werden kann. Auch jetzt wieder. Das hier könnte es sein. Das Eine.
Was ist, wenn es den Richtigen da draußen gar nicht gibt? Wenn man eigentlich immer nur damit beschäftigt ist, ihn zu suchen, aber dann feststellen muss, dass es eigentlich vielmehr eine ganze Menge an brauchbaren Alternativen gibt? Doch es bleibt natürlich die Frage, was das Rezept dafür ist, dass es mit diesen Alternativen dann tatsächlich funktionieren kann. Die Chemie muss stimmen, sagen die Leute. Doch reicht das? Oder muss das überhaupt sein? Und wenn ja, welche Art von Chemie?
Sie hat das Gefühl, auf die Chemie kann sie bei ihnen beiden nicht zählen. Vielleicht sind sie sich nur über den Weg gelaufen, um sich gegenseitig vollkommen von den Socken zu hauen. Oder aber auch, um sich gegenseitig in den Wahnsinn zu treiben. Wer kann das schon wissen?
Was es so spannend macht, ist doch die Tatsache, dass man es nicht weiß. Und zumindest eines kann sie mit Gewissheit sagen, nämlich dass es so noch nie gewesen ist. Vielleicht könnte es das also sein, das Eine.

Die entscheidende Frage ist aber natürlich, was er darüber denkt. Sie könnten dem Ganzen eine Chance geben, es versuchen. Man weiß ja nie. Eventuell sind sie ja sowas wie Seelenverwandte. Aber vielleicht auch nicht. Aber vielleicht ja doch. Tatsache ist, dass man es nie erfahren wird, wenn man es nicht versucht. Man könnte vielleicht noch jemand besseren finden. Aber wie gut stehen die Chancen dafür? Man kann einfach nie wissen, ob das, was man in diesem Moment hat, das Eine ist.
Wenn sie beide jetzt immer noch im Grunde allein sind, weiß sie warum.
Es ist so leicht immer Ausreden zu finden, warum man manchen Dingen gar nicht erst eine Chance einräumen will. Aber sie hat es so satt sich zu verstecken, so satt allein zu sein. Sie will, dass er bleibt, sie will sich von ihm mitreißen lassen. Und herausfinden, ob es das vielleicht ist. Das Eine.



[Songgeschichte zu "the one" von Limp Bizkit]

Link zum Song auf YT

18. August 2013

Die dunkle Seite [pp33]

willkommen auf der dunklen seite.
kekse gibt es leider keine.
mancher suchte schon das weite.
wirst erleben, was ich meine.
nach außen ist doch nur fassade.
starke worte, schöner schein.
was ich so innendrin ablade,
weiß keiner, lass keinen rein.
und in manche dunklen ecken
schau ich nicht mal selber hin.
habe angst dort zu entdecken,
dass ich noch ganz anders bin.
um alleine dort zu stehen,
ist das echt kein schöner ort
wünschte, es würd einer mitgehen,
hielte mich zurück von dort.
mag sein, dass das komisch klingt,
doch ich sag es, wie es ist:
ich will, dass jemand licht da reinbringt
und vielleicht du der jemand bist.











11. August 2013

meine träume und alle anderen [mix/tape]

Als ich noch klein war, hatte ich all diese aufregenden Träume vom Leben. Aber natürlich waren das alles kleine oder größere Hirngespinnste. Die netten kleinen Lügen, die man sich selbst erzählt, wenn man an etwas Schönes denken möchte, weil alles andere sich gerade nicht so gut anfühlt.
Mit 17 hatte ich dann sogar noch tollere Träume. Jetzt bin ich über 30 und muss erkennen, dass ich davon so weit entfernt bin, wie man nur sein kann. Wenn ich könnte, würde ich mir jetzt wieder etwas besseres überlegen, einen neuen, einen noch tolleren Traum... aber ich bin nicht sicher, ob ich das kann.
Alle meine Freunde, alle Liebhaber ziehen an mir vorbei. Und ich bin immer noch auf der Suche. Doch wie man's auch nimmt. Ich hoffe eigentlich nur, dass ich irgendwie einen Weg, meinen Weg durch diese Welt finde.
Eines Tages im Herbst habe ich mich dabei ertappt, dass ich dachte, wie traurig diese Blätter aussehen, wenn sie da so auf den schmutzigen Boden fallen. Und ich dachte, wenn ich könnte, würde ich sie wieder zurück nach oben an die Bäume hängen. Aber das geht nicht. Tja, manchmal hat man wohl einfach einen schlechten Tag. Und ich muss wohl versuchen einen besseren Weg finden, um mit den Dingen, die ich tue und den Dingen, die ich tun sollte, klarzukommen. Sonst werde ich immer nur hinterher laufen, wenn alle anderen ihren Spaß haben.
So oder so wünschte ich, ich hätte bestimmte Momente meines Lebens mehr genießen können, hätte jeden Sonnenstrahl mitgenommen. Hätte mir die Zeit genommen, herauszufinden, ob der eine oder andere eventuell der eine hätte sein können. Aber dann werde ich das eben ab jetzt tun.
Irgendwo da draußen ist jemand für mich,wartet auf mich. Vielleicht, wenn ich meine Einstellung zu den Dingen ändere, wird er mir näher kommen. Vielleicht bin ich ihm schon näher, als ich glaube.
Ich erwarte ja keine Wunder, kein Model oder keinen Filmstar. Ich möchte jemanden, der neue Träume zum Leben erwecken kann. Ich wünsche mir einfach einen neuen Platz, wo ich meinen Kopf hinbetten kann, zur Ruhe komme, wieder lerne zu träumen.
Denn wenn ich im Moment träume, dann muss ich am nächsten Morgen nur immer wieder feststellen, dass ich mich doch nicht geändert habe. Ich wache auf und bin immer noch die Gleiche. Alle mein Freunde, meine Liebhaber haben sich weiterentwickelt, strahlen wie die Sonne... Und ich kann mich nur umdrehen und das alles hinter mir lassen.
Wie man es auch dreht und wendet. Ich werde wieder von vorn anfangen zu träumen. Ich warte nur auf neuen Tag.



[Songgeschichte zu "all my friends" von Counting Crows]


Der Song zum Text bei YT.



plus...minus...

Ob das, was man hat oder bekommt oder will, ein Plus ist oder ein Minus, 
hängt davon ab, ob man in Summen oder Differenzen denkt.

Ob eine Addition zweier Werte eine positives oder negatives Ergebnis bringt,
hängt davon ab, ob beide dasselbe Vorzeichen mitbringen.

Zusammenzählen was einen Bruch hat, gelingt nur,
wenn man sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen kann.

Es ist möglich mit einer Reihe unbekannter Faktoren zu rechnen,
aber eine Lösung wird schwierig,
wenn man nicht auf beiden Seiten das Gleiche ausklammern kann.


7. August 2013

die Geister, die ihr ruft [mix/tape]

Ihr könnt euch eure geheuchelte Sympathie sonst wohin schieben! Und wenn ihr meint, dass es weh tut, was ihr sagt... nun, mit Schmerz habe ich gelernt umzugehen, das macht mir gar nichts.
Eure Worte sind Nahrung für mich, ich verschlinge eure verlogene Seele und mein Lachen klingt dabei wie das eines wahnsinnigen Lemuren. Ja, ihr könnt euch gerne zurück in das Loch verziehen, aus dem ihr gekrochen seid.
Ich kann euch nicht verleugnen. Dass ihr da seid, lässt sich nunmal nicht ändern. Aber verdammt nochmal, ich bin nicht gezwungen euch auch noch Beachtung zu schenken! Ja, wenn ihr mir immer wieder Stiche versetzt, verletzt mich das und das werde ich auch nicht vollkommen abstellen können. Aber ich stelle mir dann einfach vor, ich wäre wie eine Wolke und hülle euch in meinen Regen. Und wenn ihr nicht aufhört, mich zu verletzen, kann es sein, dass ich euch irgendwann versehentlich ertränken werde.
Und ja, ich weiß, dass sich das ein bisschen durchgeknallt anhört...
Aber ihr könnt nicht einfach so die Tür öffnen und hinausspazieren. So läuft das nicht! Ihr haltet euch vielleicht für wahnsinnig speziell und einzigartig, aber das seid ihr überhaupt nicht. Ich kenne Leute wie euch. Ihr seid absolut nichts Besonderes. Von mir aus lauft doch vor dem Feuer weg, das ihr selbst gelegt habt. Ihr werdet so einen Mist immer wieder abziehen, aber ihr werdet nicht daraus lernen. Nie.
Schaut nur weiterhin von oben auf mich herab, als ob ihr etwas Besseres wärt. Setzt ruhig euer falsches Lächeln auf, während ihr versucht mich fertig zu machen. Denn eins ist sicher: ich werde immer wieder aufstehen und es gibt für mich überhaupt keinen Zweifel daran, dass ihr mich nicht kleinkriegen werdet. Ich bin ein Stehaufmännchen. Ihr könnt mich noch so oft niederschlagen, aber ihr werdet mich nicht unten halten können.
Ihr haltet euch wahrscheinlich für unbezwingbar, für furchtlos. Ihr meint, ihr seid immer im Recht. Klar, in der Gruppe seid ihr stark. Ich sag euch was: Ihr macht euch da nur etwas vor. Wenn ihr nämlich allein seid, im Dunkeln eures Zimmers, dann war's das mit eurer Stärke. Dann frisst euch eure Angst auf. Die Angst vor den Geistern, die ihr selbst gerufen habt, kriecht dann in eure kleinen Mitläuferköpfe und das wird euch verfolgen, bis zum Ende aller Tage.
Ihr könnt da nicht so einfach wieder raus. Solange ihr das immer wieder mit jemand schwächerem macht und nicht aus euren Fehlern lernt, wird euch das ewig verfolgen.


[Songgeschichte zu "skeletons & spirits" von Allison Crowe]

Link zum Song auf YT.

6. August 2013

Der Kern der Zwiebel

Selbst bei der hundertsten Zwiebel
werde ich mich noch dabei ertappen,
dass es in meinen Fingern juckt,
sie Schicht für Schicht auseinander zu nehmen.
Immer bewusst in der kühnen Hoffnung
irgendwann unter all den Tränen,
die so eine Prozedur mit sich bringt,
tatsächlich einmal einen Kern zu finden,
der dann als lebender Beweise dient,
dass all das Suchen zuvor nicht umsonst war.



31. Juli 2013

pusteblume


ungeahnt herangeschlichen
scheinbar aus dem nichts
ist die idee gekommen
wie ein flugsamen
still und heimlich
hat sich eingenistet
in meinen gehirnwindungen
und keimt jetzt dort

ich sah sie nicht kommen
doch sah ich sie landen
beobachte sie seitdem
lausche was sie sagt
bestaune ihr wuchern
misstraue ihren absichten
begeistere mich hier
und hinterfrage dort

gießen oder jäten
pflegen oder ignorieren
zu verlieren gibt's nicht viel
zu gewinnen eine menge
so schnell wie sie wächst
könnte sie viel verändern
wenn ich sie lasse
wenn ich mich traue




zusammenflicken [mix/tape]

Irgendwie musste er sich jetzt wieder zusammenflicken An einer neuen, brauchbaren Zukunft basteln. Die Teile aneinanderfügen, die übrig geblieben waren, nachdem man das Unwichtige oder Unschöne weggeschnitten hatte. Sehen, was man aus dem Rest noch so alles machen konnte.
Er war nicht vollkommen abgestumpft, aber er hatte es gehasst so zu sein. Es war ein bisschen schwer zu erklären und er tat sich nicht unbedingt leicht damit, wenn er es versuchte den Menschen um sich herum mit Metaphern zu verdeutlichen. Dass er sich irgendwie ganz unten gefühlt habe und dies jetzt vorbei sein müsse. Dass er damit fertig sei und alle Lasten abgeworfen und begraben habe. Dass das, was war und irgendwie aber auch das, was sein wird, nun erst einmal fort seien.
Aber nicht nur den anderen musste er immer wieder vor Augen halten, was der Sinn des Ganzen war. Auch sich selbst musste er stets wieder gut zureden, weil er nicht wirklich vorangekommen war seit seiner Entscheidung. Es machte keinen Sinn, sich den Kopf darüber zu zerbrechen. Er musste es vergessen, es fühlte sich sowieso schon so an, als ob es weit in der Vergangenheit lag. Er war schon aufgebrochen zu einem neuen Abschnitt, dem Rest seines Lebens.
Die letzten Nähte, die ihn noch an dem Vergangenen festhielten, mussten gekappt werden. Er musste es hinter sich bringen, wie man das Foto einer verflossenen Liebe verbrennt oder vergräbt.
Natürlich hatte er versucht, nach außen hin eine starke Fassade aufrecht zu erhalten. Niemand sollte schließlich mitbekommen, wie unsicher er war. Aber schlussendlich hatte er vorallem sich selbst nichts vormachen können.
Mittlerweile machten ihm Unsicherheit, Angst oder Schmerz aber nichts mehr aus. Wenigstens waren das reale Empfindungen, die man spüren konnte. Und dieses Spüren brauchte er, er wollte es nicht verschwenden. Es schärfte seine Sinne und bereitete ihn auf alles vor, was da noch kommen konnte.
Er hatte viel aufgegeben, was viele nicht verstehen konnten. Sicherheit, ja sogar Liebe. Er hatte es mit Erklärungen versucht, aber jetzt war er damit durch. Das war doch alles nur Gerede.
Nun galt es, die losen Enden wieder zusammenzufügen und zu sehen, was man aus diesem Leben machen konnte. So war das nunmal.


[songgeschichte zu "suture up your future" von Queens of the Stone Age]

27. Juli 2013

Re-verse

 
wehrt dagegen sich man sehr so
verkehrt schlicht es läuft da manchmal
lauf seinen dingen den lässt man
auf hinten von gaul den zäumt und

dumm wie tappt man, nun es ist so
rum dunkeln im dann gründen nach
eingestehen schließlich sich muss und
abzusehen vorfeld im war es

wendet auch man's wie, spannende das
endet wie's, weiß nicht doch man dass, ist
begann man hinten ganz weil nur
an vorne zwingend nicht man kommt

abwartet man dass, nur ja bleibt so
startet ende am man wenn, läuft wie's
steht dann man immer wo, schaut und
weitergeht aus dort von es ob


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26. Juli 2013

das bisschen Wahnsinn [mix/tape]

Ich kann machen was ich will, aber ich bekomme diese Erinnerungen, diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf. Auf kurz oder lang macht mich das noch wahnsinnig. Ich hab wirklich versucht, das Ganze zu vergessen. Dich zu vergessen. Aber ich fühle mich manchmal, als wäre ich in Treibsand geraten und je mehr ich strampele, um davon freizukommen, desto schneller verschluckt er mich.
Ich kann mittlerweile behaupten, dass ich zumindest einige Dinge jetzt klarer sehe. Ich denke, ich habe verstanden, was du gemeint hast, mit dem was du sagtest.
Aber macht es mir das wirklich leichter? Habe ich jetzt wirklich eine Ahnung, wie das Ganze weitergehen soll und ob? Was ist das hier überhaupt, frage ich mich? Ich bin nicht sicher, ob du überhaupt eine Antwort hättest, wenn wir es tatsächlich einmal schaffen würden darüber zu reden. Ich bin mir jedenfalls überhaupt nicht im Klaren. Vielleicht ist das einfach nur das bisschen Wahnsinn, das mich über Wasser hält.
Wenn ich auf diese widersprüchlichen Szenen zurückblicke, die wir hatten - die guten wie die schlechten - dann scheint es wirklich nicht mit besonders viel gesundem Menschenverstand abgelaufen zu sein. Irgendetwas anderes hatte da die Kontrolle.
Aber ich glaube, mir wird langsam klar, was du brauchst. Ich sehe das Ende des Ganzen auf mich zukommen. Letztendlich dann doch. Ich erwarte nicht, dass du das verstehst oder dass es dich überhaupt kümmert, aber ich habe wenigstens etwas über mich dabei herausgefunden.
Das allein hier reicht mir nicht.
Ich brauche mehr.
Du könntest zu mir kommen.
Du könntest mir das geben, was ich brauche.
Und ja, ich weiß.. vielleicht liege ich komplett falsch und das ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt.
Aber dass ich mir manche Sachen so sehr in den Kopf setze, ist vielleicht meine Form des Wahnsinns.

[songgeschichte zu "madness" von Muse]

Link zum Video auf YT.
 

22. Juli 2013

irgendwann [mix/tape]

Keine Ahnung, wie viele Jahre es her ist, dass wir gesprochen haben. Ich erinnere mich nicht mehr an den Ort oder den Zeitpunkt, aber an das was du sagtest.
Irgendwann, hast du gesagt, wird es dir auch so gehen und du hattest recht.
Irgendwann wird es dir den Boden unter den Füßen wegziehen. Du wirst das Gefühl haben, dass dir das Herz stehenbleibt, so wie Uhren manchmal stehenbleiben. Und dann wird die Zeit irgendwie nicht mehr von Bedeutung sein, weil sie unberechenbar ist und wichtige Momente vorbeirauschen und Unwichtiges sich ewig hinzieht.
Irgendwann wird irgendwas in deinem Leben wie eine Bombe einschlagen und alles was du bis dahin für wichtig hieltest zum Schweigen bringen.
Du hattest recht.
Damals wollte ich dir nicht glauben. Ich tat dein Gerede leichtfertig ab und du warfst mir vor, dass ich keine Ahnung hätte. Mein Herz sei ja noch nie gebrochen, mein Stolz noch nie verletzt worden. Bis zu diesem Zeitpunkt. Und du hast darauf gewettet, dass ich es irgendwann verstehen würde. Wenn ich gebrochen und verletzt worden wäre.
Ich hatte nie geglaubt, dass es so kommen könnte und dass ich dir einmal so dankbar für deine Worte sein würde. Aber du hattest recht.
Irgendwann, sagtest du aber auch, kommt dann der Moment, in dem du einfach die Augen schließen kannst und feststellst, dass der Schmerz wieder vergehen kann und vergehen wird. Vielleicht wirst du zunächst die Hoffnung aufgeben und ängstlich in die Zukunft blicken, aber das ist in Ordnung. Du wirst daraus lernen und es wird dich stärker machen, als du jemals vorher geglaubt hast werden zu können.
Du hattest recht...



[songgeschichte zu "these days" von den Foo Fighters]

Link zum Song auf YT.

21. Juli 2013

dringend [mix/tape]

Nein, schüchtern bist du nun wirklich nicht. Das würde niemand behaupten, der dich kennenlernt. Du machst eher den Eindruck, dass du schon eine Menge gesehen hast. Spaß haben steht für dich im Vordergrund, du willst leben, feiern, tanzen, lieben, als wenn es kein Morgen gäbe.
Leidenschaft fließt in deinen Adern wie Feuer, aber es verbrennt dich nicht. Du lässt dich von deinen Bedürfnissen, deinen Sehnsüchten leiten. Wenn es dich erwischt hat, kannst du wie wahnsinnig sein und du gibst nicht auf, hörst nicht auf, bis du den Versuchungen nachgegeben hast, die sich dir bieten.

Manchmal hast du diesen Ausdruck in den Augen, der die Frage aufwirft, was da in deinem Kopf noch so vorgeht. Ob es da mehr als eine Person gibt, die deine Gedanken beherrscht. Wer weiß.
Alles was sie weiß ist, dass sie genau weiß, was du brauchst und wie man dich nehmen muss. Und das ist der Grund, warum du mitten in der Nacht ausgerechnet ihre Nummer wählst.
Die ganze Zeit hat sie das Gefühl, dass du sie einer Gehirnwäsche unterzogen hast, weil sie ständig nur an das eine und an dich denken kann. Du bist überall - zumindest überall in ihrem Kopf. In den unmöglichsten Situationen schwirrst du durch ihre Gedanken, bringst alles durcheinander. Machst sie wahnsinnig. Und bist doch schwerer zu bekommen, als alles andere.
Warum sie ausgerechnet hinter jemandem wie dir her ist, kann sie sich auch nicht erklären. Du bist weder besonders liebevoll, noch einfühlsam. Im Gegenteil. Du bist fordernd, extrem in deinen Ansichten und Wünschen und vor allem bist du voll von unkontrollierbarem und unvorhersehbarem Temperament. Man weiß nie, woran man bei dir ist und wie du als nächstes reagieren wirst.
Aber sie ist auch nicht auf der Suche nach etwas, was für immer und ewig halten wird. Das ist es nicht, was du bietest und das hat sie auch von Anfang an gewusst. Sie weiß, was sie will. Was sie von dir will. Und sie will nicht ewig darauf warten. Wenn euch eines verbindet, ihr eines gemeinsam habt, dann ist es das Verlangen nacheinander, das euch ständig und überall zu überkommen scheint. Nur nachkommen könnt ihr dem viel zu selten. Es verzehrt euch, reibt euch beide auf. Bis es entweder vorbei oder nichts mehr von euch übrig ist.


[songgeschichte zu "urgent" von Foreigner]

Der Song auf YT.

20. Juli 2013

Hirn & Herz & Hose

Zwischen Hirn und Herz und Hose
gibt's manchmal auswegslose
Momente, die frustrieren
und echt demotivieren.
Man kennt das ganz genau
und wird trotzdem nicht schlau.


Von Herz, Hose und Hirn
lässt man sich leicht verwirr'n.
Man weiß, sie kriegen Streit,
ist dennoch nicht bereit.
Wenn eins zum andren kommt,
verzettelt man sich promt.


Denn Hose, Hirn und Herz
begründen manchen Schmerz,
der zu vermeiden wär,
fiele es nicht so schwer,
eins davon abzustellen
in den meisten Fällen.


50f - freiheit.


freiheit. - 

den sicheren boden verlassend gehen.
auf dem sprung in ein neues etwas,
das erst noch zeigen muss,
was es werden kann.

alte ruhr - der himmel - juli 2013


Nur noch wenige Bilder, dann ist 50f für mich abgeschlossen. Mehr zum Projekt und alle bisherigen Fotos finden sich HIER.

19. Juli 2013

Im Minenfeld

Manche Menschen bauen Zäune oder Mauern, damit man ihnen nicht zu nahe kommt.
Wenn man ihn kennenlernt, ist davon nichts zu erkennen. Der Weg zu ihm scheint offen und frei und unkompliziert zu sein.
Ja, vielleicht könnte seine Miene einen stutzig machen...sollte es. Aber manchmal will man ja auch gar nicht allzu genau hinsehen. In seinem Ausdruck ist etwas, das andere - besonders Frauen - auf Abstand hält. Nicht offensichtlich. Nicht offen abweisend, aber doch da.
Zäune und Mauern sind ihm fremd. Seine Methode ist auf den ersten Blick subtiler, auf den zweiten aber umso brachialer.
Vor ihm, um ihn herum breitet sich ein Minenfeld aus.
Eine hübsche Ansammlung von zwischenmenschlichen Sprengsätzen, die sofort hochgehen, wenn man bestimmten Gebieten zu nahe kommt. Und er steht seelenruhig in der Mitte und beobachtet das Schauspiel, das ihm diejenigen bieten, die sich hineinwagen.
Seine Reaktionen auf ein Auslösen der Mechanismen sind vielfältig. Mal gleichgültig, mal entrüstet, mal enttäuscht nimmt er die Fehltritte auf, die man sich leistet. Natürlich ist die Schuldzuweisung klar. Wer drauftritt, hat Schuld.
Wie selbstverständlich übersieht er dabei, dass er selbst es war, der die meisten dieser Minen installiert hat.
Ja, er wirkt regelrecht überrascht und beleidigt, wenn man an dieser - seiner - Herausforderung scheitert.
Doch selbst wenn ihm mehr an einer Person liegt, fällt es ihm scheinbar schwer, denjenigen mit einem Plan, mit einer klaren Hilfe oder wenigstens einer Vorwarnung zu versehen, damit er den Weg zu ihm leichter bewältigen kann. Dabei ist es nicht so, dass er sich nicht wünschen würde, dass jemand zu ihm durchdringt.
Doch es widerstrebt ihm, von seinen Schutzmechanismen Abstand zu nehmen.

Wer am Minenfeld scheitert, ist seiner offenbar nicht wert.
Wird aussortiert... weggesprengt.
Und bekommt unfairerweise auch noch den Eindruck vermittelt, er wäre durch das Auslösen der Sprengung auch noch selbst daran schuld, es sich mit ihm verscherzt zu haben.
Unklar bleibt, was er sich erwartet. Jemanden, der mit traumwandlerischer Sicherheit alle Minen umgeht? Wohl kaum, so unrealistisch kann er nicht sein.
Vielleicht wartet er auf die, die nicht nach der ersten, zweiten oder dritten Explosion verletzt davonlaufen und aufgeben. Die hartnäckig und geduldig genug sind, ihm beweisen zu wollen, dass sie ihn wirklich und wahrhaftig kennenlernen und erfahren wollen, auch wenn er es ihnen noch so schwer macht. Keine leichte Aufgabe und nur wenige werden das auf sich nehmen wollen. 
 Bleibt ihm zu wünschen, dass er solche Menschen findet.
Und hoffentlich kann er dann auch beweisen, dass er all diese Mühe auch wert war.

17. Juli 2013

Unitasking

U │ni │tas│king, das, - (Anglizismus)

Im alltäglichen deutschen Sprachgebrauch noch wenig verankertes Antonym zum geläufigeren Anglizismus Multitasking, das entprechend der geschlechterspezifischen Zuordnung als weitgehend männlich einzustufen ist.

Allgemeines:
Unitasking beschreibt die Fähigkeit jediglich eine Sache auf einmal machen zu wollen bzw. die Unfähigkeit mehrere Sachen auf einmal machen zu können (vgl. Multitasking). Nach Geschlechtszugehörigkeit des/der Betroffenen unterscheidet man zwei Formen:

1. Der Unitasker:
Als Mehrheitsvertreter findet der Unitasker für seine singulären Aktivitäten meist schnell Gleichgesinnte, die sich mit ihm gemeinsam - und nur strikt nacheinander - typischen geselligen Unitasking-Disziplinen wie Fußball, Biertrinken oder Automobilprahlerei (alternativ Modelleisenbahnbau) hingeben.
Unterbrechungen (meist Versuche des weiblichen Geschlechts, simultan Antworten zu erhalten oder Dienstleistungen im Haushalt einzufordern) werden meist durch Verhaltensformen wie Gleichgültigkeit, Gereiztheit oder im Extremfall auch cholerische Anfälle abgewendet.
Noch extremer äußert sich das Dilemma des Unitaskers aber in von ihm als existentiell angesehenen Situationen, in denen er quasi-fundamentalistisch jegliche Hinwendung zu anderen Dingen kategorisch ablehnt bzw. auch nicht dann zu leisten in der Lage ist, wenn er es wollte.

2. Die Unitaskerin:
Als Minderheit in ihrer Geschlechtergruppe trifft sie ein fast noch härteres Schicksal als den soeben erwähnten existentiellen Typus des Unitaskers. Da sie sich dem ständigen multiplen Leistungsdruck der Gesellschaft und besonders ihrer Geschlechtsgenossinnen ausgesetzt sieht und sich aufgrund der von dieser Gruppe vorgelebten (scheinbaren) Perfektion selbst als Mängelexemplar deklassiert fühlt, versucht die Unitaskerin häufig ihr Unvermögen zu kaschieren.
Beliebtes Mittel dabei  ist die Durchführung von Pseudoaktivitäten (z.B. Schein-Telefonieren, augenscheinliche Teilnahme am Straßenverkehr) bei ansonsten absoluter Konzentration auf die eigentliche Kerntätigkeit (z.B. Fernsehen, Tagträumen, Gedankenmachen).

Während der Unitasker als Mehrheitswesen auf sein Anrecht auf Singulärtätigkeit pocht und dieses sogar als geschlechtsspezifisches Wesensmerkmal oder gar Charakterstärke klassifiziert (vgl. Selbstbeweihräucherung), ist es arttypisch für die Unitaskerin sich ihr selbsterlebtes Defizit möglichst nicht anmerken zu lassen oder es gegebenenfalls mit dem Einfluss von Krankheit oder hormonellem Ungleichgewicht (vgl. Horrormone) zu rechtfertigen.

16. Juli 2013

Mit Nachdruck [mix/tape]

"Du weißt, dass ich dich nächstes Jahr gern wiedersehen würde oder?"
Ihre Stimme war nicht viel mehr als ein Flüstern und im dämmerigen Licht des anbrechenden Tages konnte er den Blick in ihren Augen nicht ganz deuten.
Er schloss die Augen wieder und legte den Kopf in den Nacken. Sie lag halb neben ihm, halb auf seiner Brust und musterte sein Gesicht, das ihr seltsam vertraut war, obwohl sie sich erst so kurz kannten.
"Dann hoffe ich mal, dass ich dann noch am Leben bin.", witzelte er.
Doch als sie hörbar den Atem einzog, stockte ihm das Lächeln auf den Lippen. Er schlug die Augen auf und war überrascht, wie nah sich ihre Gesichter waren. Ihre Augen unmittelbar vor seinen, ihr Mund leicht geöffnet. Ein stummes Fragezeichen lag darauf.
"Das war ein Scherz.", murmelte er. "Es geht mir gut."
Ihr Stirnrunzeln verriet ihm, dass er sie nicht vollständig überzeugt hatte. Zwischen ihren Augenbrauen zeichnete sich eine erste kleine Falte ab und ließ erahnen, dass ihr dieser nachdenkliche Gesichtsausdruck doch öfter im Gesicht stand, als ihr unkompliziertes und lockeres Kennenlernen es hätte vermuten lassen. Da steckte definitiv eine Grüblerin hinter dem sonst so befreiten Lächeln und dem fast schon losen Mundwerk.
Und als ob es ansteckend wäre, ertappte er sich dabei, dass er in diesen wenigen Stunden seit sie in sein Leben gestolpert war, auch mehr über sich selbst nachgedacht hatte, als in den vielen Wochen zuvor zusammengenommen. Nicht alles gefiel ihm, was er dort über sich selbst erkannt hatte.
Er hob die Hand zu ihrem Gesicht und ließ einen Finger über diese Grübelfalte gleiten, bis sie sich entspannte und die Falte bis auf eine kaum zu erahnende feine Linie verschwand. Ihre Augen waren nun geschlossen, wie schon einige Male zuvor an diesem Abend, wobei es dieses Mal endlich ein vollkommen entspannter Ausdruck in ihrem Gesicht zu sein schien.
Unter ihrer lockeren und aufgeschlossenen Fassade hatte er erst wenige Augenblicke zuvor eine weitaus weniger entspannte Frau entdeckt, die zwar bereitwillig mit ihm gegangen war, im entscheidenden Augenblick wohl aber etwas vor ihrem eigenen Mut zurückschreckte. Was auch immer Ungeahntes in ihrem Kopf vorging, das sie daran hinderte vollkommen loslassen zu können, forderte ihn insgeheim heraus, gerade dieses Loslassen herbeiführen zu wollen. Ihr Körper, der schon so eindeutig auf ihn reagiert hatte, begeisterte ihn zu sehr, als dass er sich von den Hindernissen in ihrem Kopf wollte aufhalten lassen.
"Ja, ich würde dich auch gern nächstes Jahr wiedersehen.", fügte er hinzu und ließ seine andere Hand zielgerichtet ihren Rücken hinuntergleiten. "Aber wie wär's, wenn wir uns erst einmal mit diesem Jahr beschäftigen?"
Mit einem Laut, halb Seufzen - halb Kichern, legte sie die Stirn auf seine Brust und er konnte ihren Atem durch sein T-Shirt spüren als sie ihm antwortete:
"Wenn du mich bis dahin am Leben lässt..."

Es wäre zu viel gewesen zu behaupten, dass er sich darüber wirklich klare Gedanken gemacht hätte, aber als sie sich verabschieden wollte und er sie mit seinem Körper in die Ecke neben der Eingangstüre gepresst hielt und sie küsste, funkten immer wieder die gleichen Gedankenfetzen durch seinen Kopf. Was könnte wohl noch passieren, wenn er dem Ganzen hier etwas mehr Nachdruck verleihen würde? Wäre sie dann doch bereit weiter zu gehen, als sie es bisher waren? Die Neugierde brachte ihn fast um.
Er konnte spüren, dass sie fast bereit war, sich an diesen Moment zu verlieren. Ihr Atem ging ebenso stoßweise wie seiner, ihre Hände suchten irgendwo an ihm Halt. Er konnte spüren, wie sie einige Zentimeter unter ihm absackte, weil ihre zittrigen Knie unter ihr nachgaben, als er sie wieder berührte.
Am liebsten hätte er wieder und wieder von vorne begonnen, bis sie endlich in der Lage wäre, sich vollkommen fallen zu lassen. Aber obwohl er selbst den Druck kaum noch aushalten konnte, hielt ihn irgendetwas davon ab, im Gegenzug mehr Druck auf sie auszuüben. Natürlich hätte ihm das Befriedigung und Erleichterung verschafft, doch das war seltsamerweise dieses Mal nicht das Einzige, an das er denken konnte.

Als sie dann schließlich doch ging, war es nicht viel weiter gegangen. Er hatte es nicht darauf ankommen lassen und nur wenige Minuten, nachdem sie sich äußerst schwer von ihm verabschiedet hatte, erreichte ihn eine Nachricht.
"Du weißt, dass ich dich nicht erst nächstes Jahr gern wiedersehen würde oder?"
Hinter die Nachricht war noch ein Smiley getippt. Dafür war sie eigentlich schon zu alt, aber er konnte sich auch nicht nur deswegen ein Grinsen nicht verkneifen. Mit dem gleichen Finger, der soeben noch ihre Sorgenfalte weggewischt hatte, tippte er auf das Display.
"Geht mir genauso. ;) "



[songgeschichte zu "apply some pressure" von Maximo Park]

Link zum Song auf YT

15. Juli 2013

Sabotage!

Nein, Geduld ist nicht gerade meine Stärke. Hartnäckigkeit, Durchhaltevermögen und Anpassungsfähigkeit... hab ich, kein Problem. Aber Geduld?
Es macht mich wahnsinnig, wenn sich Dinge nicht bewegen. Sowohl im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne.
Im ersteren Fall mag das ja noch harmlos und für den Beobachter von außen belustigend sein. Warteschlangen an Kassen und Schaltern lassen mich zum Zappelphilipp mutieren, akustisch ansprechend hinterlegt mit einem demonstrativen Seufzen oder einem genervten Murmeln über das offensichtliche Unvermögen von Dienstleistern.
Zu kurze Ampelphasen, zähfließender Verkehr oder gar Stau treiben mich an den Rand des Nervenzusammenbruchs. Zum Glück bin ich meist allein in meinem Auto unterwegs und niemand bekommt meine verbalen Entgleisungen hinterm Steuer mit.
Geräte, Automaten und Werkzeuge, die länger als erwartet oder gewünscht für die jeweilige Aufgabe benötigen, werden in der Regel mit frustrierten Beschimpfungen bedacht oder gegebenenfalls auch mal durch Schlagen, Treten oder Schubsen zu mehr Tempo animiert. Ja, alles irgendwie noch ganz niedlich bei einer kleinen Person wie mir.

Weniger niedlich wird es allerdings, wenn es im übertragenen Sinne um Dinge geht, die sich nicht bewegen beziehungsweise nicht so schnell vorankommen, wie ich es gerne hätte. Wenn Entscheidungen nicht mehr in meiner Hand liegen und ich zum Abwarten verdammt bin, haben Verhaltensforscher ihre wahre Freude an mir. Je nachdem wie viel mir an einem Fortschreiten der Ereignisse gelegen ist, beobachte ich an mir selbst teilweise fast schon paranoide Züge. Da werden E-Mail-Konten fast minütlich überprüft, Briefkästen zweimal am Tag geöffnet oder Leute so lange mit Nachrichten zugepflastert, bis ich eine (bestenfalls die gewünschte) Reaktion erhalten habe.
Und ich erkenne mich selbst nicht wieder in diesen Momenten. Das ist das Schlimmste.
Läuft alles wie gewünscht, flüssig und unkompliziert, bin ich die entspannteste Zeitgenossin, die man sich vorstellen kann. Ich gehe die Dinge relaxt an, stresse nicht rum, freue mich des Lebens und lasse alles auf mich zukommen.
Aber alle Selbsterkenntnis hilft mir nicht weiter, wenn ich zu diesem selbstgemachten Stress-Monster mutiere, das die Unkontrollierbarkeit der Dinge als persönlichen Kreuzzug wahrnimmt und - was alles noch schlimmer macht - die gewünschte Entwicklung und damit auch sich selbst sabotiert.

Es gibt Situationen, da ist ein bisschen Druck in die gewünschte Richtung genau das Richtige. Es gibt aber auch Momente (oder Menschen), bei denen ich genau weiß, dass ich genau das Gegenteil erreichen werde, wenn ich versuche, die Dinge voranzutreiben. Als wenn ich ein randvolles Glas vor mir stehen habe und hundertprozentig sicher sein kann, dass ein einziger Tropfen mehr eine riesige Schweinerei verursachen wird. Und ich kann mir fast ebenso sicher sein, dass ich trotz dieses Wissens noch einen Schluck nachgießen werde. Ich weiß nur nicht genau, warum ich das tue.
Vielleicht, weil mir selbst die Schweinerei, die negative und endgültige Reaktion immer noch lieber ist als gar keine. Vielleicht brauche ich die Gewissheit so sehr, dass ich mich mit Enttäuschungen arrangiere, die eventuell nicht zustande gekommen wären, wenn ich meine Ungeduld unter Kontrolle gehabt hätte.
Jede selbstgemachte Enttäuschung ist dann schon einen harte Lektion in Sachen Selbsterkenntnis...

...aber irgendwann werde ich es vielleicht lernen.

14. Juli 2013

Abschied [pp33]

manchmal muss man gehen
manchmal gehen lassen
zeit bleibt manchmal stehen
und bilder verblassen

was man sicher wähnt
ist nicht selten nichtig
was man sich ersehnt
ist nicht immer richtig

manchmal geht nur ein teil
ein andrer bleibt da
was zerbricht, was bleibt heil
was wird sein und was war

manchmal lässt man gehen
manchmal hat man glück
gibt's kein wiedersehen
oder doch ein zurück