25. Oktober 2012

Ein "Scharr", ein "Pick"... ein Limerick!


Eine Kellnerin aus Hinterzarten,
ließ ihre Gäste oft warten.
    Der Chef dachte an Mord
    und vergrub sie dann dort,
wo später die Hühner noch scharrten.

21. Oktober 2012

50f - werkzeug.


werkzeug. - 

ziemlich nutzlos wirkst du hier,
auf schäbigen terrassen
allein zurückgelassen,
wünscht dir du wärst ein schraubenzieher.

schwarzwald - hochblauen - oktober 2012

12. Oktober 2012

Ein Hut, ein Trick... ein Limerick!





Ein Hobby-Magier aus Minden
ließ für Tricks gerne Augen verbinden.
   Doch die Assistentin wusste genau,
   er betatschte jede blinde Frau.
Da ließ sie ihn für immer verschwinden.

11. Oktober 2012

Neulich... im Kinderzimmer

"Ich bin ratlos." Resigniert nimmt sich Ursula Pferdefuß eine weitere filterlose Zigarette mit den sorgfältig manikürten Fingern und lässt sich von mir Feuer geben.
Ihr Blick schweift über die hochglänzend weißen Fronten der penibel geputzten Designerküche.
Aus dem Flur ertönt ein gellender Schrei, gefolgt von aufgeregtem Gepolter und dem dumpfen Geräusch von besockten Füßen, die über Mahagoni-Parkett rennen. Dann der wuchtige Donnerhall einer zugeschlagenen Zimmertür. Wieder Geschrei.
Frau Pferdefuß seufzt.
Es ist ihr anzusehen, dass sie Mühe hat, nicht in Tränen auszubrechen. Die 59-jährige Modedesignerin wirkt verkrampft, die Zigarette in ihren Händen zittert.
Was sie so aufregt ist klar. Im angrenzenden Westflügel der Villa ist es keine fünf Minuten still. Immer wieder ist die Luft erfüllt von Geschrei, knallenden Türen und dem scheppernden Geräuschen, wenn etwas herunterfällt.
Dazwischen wiederholt sich für den interessierten Beobachter immer wieder eine ähnliche Szene. Auch in diesem Moment.
Eine der Türen, die an den weitläufigen Wohn- und Essbereich angrenzen, wird aufgerissen und Uwe, Ursula Pferdefuß' jüngerer Sohn, stürmt auf seine Mutter zu. Seine Wangen sind gerötet, er schnauft und trippelt aufgebracht von einem Fuß auf den anderen.
"Mami!", seine Stimme klingt fordernd. "Mami, du musst dem Ulf sagen, dass er nicht mit meiner PS3 spielen darf!"
Seine Mutter seufzt wieder und blickt mich hilfesuchend an. Dann dreht sie sich wieder zu ihrem Sohn um und will gerade das Wort ergreifen, als aus der geöffneten Zimmertüre, aus der Uwe gerade gestürmt war, Triumphgeheul ertönt.
"Ich hab deinen Highscore geknackt, Uwi!"
Der angesprochene läuft unmittelbar rot-violett an vor Wut und macht auf dem Absatz kehrt, um mit wildem Geschrei ins Geschehen zurückzugekehren.
Wieder das Donnern der Zimmertür.

"Das war schon von Anfang an so.", murmelt Frau Pferdefuß und schlägt das Fotoalbum auf, das auf dem Tisch bereit liegt. Ich bekomme Bilder gezeigt von dem zweijährigen Uwe und dem dreijährigen Ulf, die sich in einer parkähnlichen Gartenanlage um ein Spielzeugauto prügeln. Dann ein Foto von zwei etwa 6-jährigen Kindern, die hysterisch zu schreien scheinen, weil ihre Eistüten anscheinend nach einem Streit auf dem Boden liegen. Weitere Bilder der gleichen Art folgen. Zwei Jungen mit einem Veilchen. Zwei Fahrräder mit zerstochenen Reifen und heulenden Kindern daneben. Auf jedem Foto entweder wut- oder tränenverzerrte Gesichter.
"Wenn sie nicht zusammen sind, benehmen sie sich ganz normal.", merkt die verzweifelte Mutter an und blättert weiter zu einigen Bildern, die ein ganz anderes Licht auf die beiden Brüder werfen.
Uwe im schicken Kommunionsanzug mit einer Kerze und einem Lächeln. Ulf, der sich in Badehose grinsend in Pose neben einem gleichaltrigen Mädchen wirft.
Ein freudestrahlender Uwe mit seinem Abiturzeugnis. Ulf am Steuer seines ersten Porsche.
Ursula Pferdefuß ist sich sicher: "Es muss an dem geringen Altersunterschied liegen."

Als Journalist kommen mir an dieser These Zweifel. Ist es so einfach zu erklären, dass der heute 25-jährigen Uwe, ein erfolgreicher Investment-Banker, hysterisch schreiend aus seinem Zimmer gerannt kommt und seine "Mami" darum anbettelt, sie möge seinen 26-jährigen Bruder vom Abendessen ausschließen, weil der wieder eins seiner Matchbox-Sammelautos geklaut habe? Ist es nachvollziehbar, dass dieser - seines Zeichens Luxus-Immobilienmakler - sich daraufhin im Zimmer des Bruders verschanzt und dessen sämtliche Spielekonsolen unter Wasser setzt? Werden die beiden jemals von zuhause ausziehen? Und was hat wohl der edle Gasherd in der Designerküche gekostet?

Fragen über Fragen.

Erfahren sie mehr... über vollkommen andere Dinge, wenn es wieder heißt:

Neulich...

10. Oktober 2012

50f - leer.


leer. - 

über die glatten wangen des glases hinweg
sammelt sich die neige erschöpft zu einem tropfen,
der kühl und klar den lippen zukriecht,
um auf der zunge einen bittersüßen tod zu sterben.

konz - weinkeller - september 2012


mehr zum Projekt 50f gibt's hier

9. Oktober 2012

Ich blogge, also bin ich?

Seit einiger Zeit wälzt mein Blogger-Hirn einige Gedanken gebetsmühlenartig hin und her und ist versucht, diese besondere Art der Selbsttherapie namens "Bloggen" für mich auf den Punkt zu bringen.
Was ist Bloggen? Warum tut man es? Und noch viel wichtiger: warum tue ich es?

what would Descartes do?
Laut Definition führen wir Blogger ja ein Log-Buch, also eine Art Tagebuch oder Journal, mit dem wir uns der Außenwelt mitteilen möchten. Und hier beginnt für mich schon der allererste Widerspruch:

Der gemeine Blogger gehört meist nicht zu der Sorte Mensch, die Tagebuch führt. Tagebuchführende Menschen sind eigentlich das genaue Gegenteil von Bloggern. Sie sitzen daheim in ihrem Kämmerlein und verschließen ihre Gedanken und Gefühle vor der Welt, um sie im geheimen (manchmal sogar verschlossenen) Büchlein niederzuschreiben und dadurch irgendwie mit sich ins Reine zu kommen.

Und was macht der Blogger?
Der Blogger ist der Meinung, dass das, was ihn den lieben langen Tag so beschäftigt, - seien es jetzt Kochrezepte, Kindererziehung, Weltreisen, Schminke oder einfach Meinungen zu allem und jedem - einer möglichst breiten Leserschaft zugänglich gemacht werden muss.
Dazu gehört mit Sicherheit ein viel größeres Maß an Egozentrik und Hang zur Selbstdarstellung, als es sich der kleine Tagebuchschreiber in seinem Kämmerchen jemals ausmalen könnte.

Wenn man so möchte, ist der Blogger doch eher der Kategorie "Klassenclown" zuzurechnen und weniger den stillen Mauerblümchen. Dieser Art von Außenwirkung ist er sich - zumindest unterschwellig - bewusst und ähnlich wie der Klassenclown, der erst dann zufrieden scheint, wenn er sich der Aufmerksamkeit der versammelten Klassengemeinschaft inklusive Lehrkörper sicher ist, ist der Blogger in der Regel bestrebt, die Leserschaft zu unterhalten und durch unterschiedlichste Animation zu mehren.
Als gängiges und beliebtes Mittel dieser wundersamen Leservermehrung nutzt der geneigte Blogger gerne die Plattform der "Community". Andere Blogs zu lesen, mit den Bloggern in Kontakt zu treten und sich und die blogistischen Ergüsse gegenseitig zu kommentieren, artet zu einem Zeitfresser ganz neuer Dimension aus. Als Resultat daraus nisten sich vor lauter "Senf-dazu-Geben" auf einigen Blogs recht schnell die Wollmäuse der kreativen Pause ein, da für eigene Beiträge einfach die Zeit oder Motivation fehlen. Ich klammere mich da nicht aus.

Wie viel Community braucht also der Blogger, um mit sich und seinem Blog voran zu kommen? Dazu muss vorab eine Frage in den Raum gestellt werden, die irgendwie offensichtlich ist, aber dennoch ungern gestellt wird:

Möchte ich andere Blogger als Hauptleserschaft meines Blogs?

Wie wir bereits festgestellt haben, sind Blogger in der Regel recht selbstorientierte, -darstellerische oder sogar -verliebte Menschen, die sich und ihre Themen im Internet dargestellt wissen wollen. Man geht davon aus, dass das, was man zu sagen, zu posten, zu berichten hat, quasi Nachrichtenwert für die geneigte Leserschaft besitzt.
Im Gegensatz zu "echten" Nachrichten, die aufgrund ihrer Aktualität und Universalität eine breite Leserschaft ansprechen, erreiche ich als Blogger aber stets nur ein kleines Spektrum an Menschen.
Diese Lesergruppe setzt sich einerseits zusammen aus einigen Wenigen, die meinen Betrag tatsächlich aus Interessengründen und mithilfe der von mir gesetzten Tags aufgerufen haben und andererseits aus den mehr oder weniger vielen Leuten, die mir folgen.
Und die Follower sind in der Regel auch - mehr oder weniger aktive - Blogger.
Stellen wir uns zum Vergleich einfach vor, Zeitungsartikel würden nur noch von Journalisten gelesen und kommentiert werden.
Die Folge wären Beiträge und Austausch auf der Ebene von Lobhudelei, Metakritik oder Eigenwerbung.
Willkommen in der Community.

Vor diesem - zugegebenermaßen schwarzmalerischen - Bild im Hinterkopf formuliert sich der Gedanke, ob es für den "guten Blogger" dann nur zwei mögliche Existenzformen gibt?

Wäre da zum Einen der indifferente Idealist, der um des Schreibens Willen schreibt, um des Strickens Willen strickt oder grundsätzlich um des Bloggens Willen bloggt. Es ist ihm egal, ob er gelesen, gesehen, geliked wird oder nicht. Die Zahl seiner Leser ist schwindend gering. Wenn er es irgendwann einmal schaffen sollte "mit seiner Kunst berühmt" zu werden, ist das eher dem Zufall zuzuschreiben und er nimmt dies dann auch eher beiläufig zur Kenntnis.

Und zum Anderen gäbe es dann den ambitionierten Alleskönner, der sich lieber nicht auf ein bestimmtes Themengebiet festlegt, um allen Lesern etwas bieten zu können. Seine Leserschaft wird mit regelmäßigen und gezielten Häppchen gepäppelt und mit möglichst unverwechselbaren Mustern gepflegt und gebunden. Übermäßiges Kommentieren auf anderen Blogs spart er sich, lässt dafür aber über alle möglichen Kanäle möglichst jeden an allem teilhaben, bis irgenwann einmal der "Richtige" darauf aufmerksam wird und durch das richtige Like an der richtigen Stelle für den großen Popularitätsschub in Richtung A-Blog sorgen wird.

Nur zwei Wege die Blogosphäre zu durchwandeln?
Wo bleibt der Individualismus, mag da der ein oder andere schreien und sich darauf berufen, dass sein Blog ja etwas ganz furchtbar Spezielles sei, das sich von allem anderen unterscheide.
Aber seien wir mal ehrlich: Wir Blogger sind leider absolut gar nicht so unvergleichlich, wie wir es gerne wären.
Im Gegenteil, wir sind sogar äußerst vergleichbar in unserem Auftritt und das hängt ebenfalls ganz eng mit der zuvor so gehuldigten Community zusammen. Schließlich umgibt sich der Blogger ja nicht selten mit Themen, Inhalten und Blog-Modellen, die seinem eigenen recht ähnlich sind. Man liest Blogs, die dem eigenen Anspruch in Punkto Inhalt, Design, Sprache o.ä. gerecht werden und lässt sich teilweise vielleicht auch inspirieren. Ob wir nun mit Sprache jonglieren, Quilts nähen oder von unseren Erlebnissen als Au-Pair berichten: meist sind wir beeinflusst durch Vorreiter und Mitstreiter. Ob wir es nun wollen oder nicht.
Ist das nun verwerflich?

Entscheidend ist wohl vielmehr, wie weit die Beeinflussung durch fremdes Gedankengut gehen darf oder nicht. In einem Metier, in dem so viele so sehr auf Individualismus ausgelegt sind, dass aus Bewunderung einer Idee sehr schnell auch Neid und Missgunst erwachsen kann, weil man sie nicht selbst hatte, ist das eine schwierige Gratwanderung.
Bewege ich mich als Blogger auf einem sehr überschaubaren Thementerrain, fallen Plagiate und Nachahmungsversuche schnell auf. Selbst die Annäherung des einen an bestimmte Geschmackmuster des anderen kann einen bitteren Beigeschmack entwickeln.
Manchmal ist eben aber auch ein Thema so begrenzt, dass es wenig kreativen Spielraum lässt und man fast darauf angewiesen ist, sich lediglich mit Spielarten und Variationen des zuvor schon Gesehenen und Gezeigten zu begnügen. Hier muss dann "leben und leben lassen" gelten, denn weder mit übertriebenem "Verfolgungswahn", noch mit allzu freimütigem "Bedienen" in fremden Ideenkisten tut man der Blogosphäre einen Gefallen.
In allen anderen Fällen, in denen eindeutig Gedankengut anderer als das eigene ausgegeben oder plump Inhalte kopiert werden, gelten natürlich andere Regeln.
Besonders die ambitionierten Alpha-Tierchen werden darauf bedacht sein, ihren blogistischen Output möglichst eindeutig und unveränderbar zu brandmarken, indem sie Wasserzeichen, Logos und ähnliches über Texte und Bilder legen. Wer seinem Urheberrecht dagegen mit etwas mehr Gleichmut gegenübersteht, wird darauf vermutlich verzichten, im Gegenzug wohl aber auch nicht gezielt nach möglichen Plagiaten Ausschau halten. Beide Formen des Bloggens haben da wohl ihre Existenzberechtigung.

Wo ordne ich mich also selbst als Blogger ein? Will ich gemäß dieser selbstgewählten Definitionen überhaupt Blogger sein?

Die Antwort ist für mich klar:
Ja.
Ich bin Blogger. Mit all der vielleicht übertriebenen Wichtigkeit, die ich in meinem Tun sehe und mit jedem Fehler, den ich auf meinem Weg durch die Blogsphäre vielleicht machen werde. [Errare blogganum est?]
Allein schon einen Post wie diesen zu verfassen, spricht wohl für mein eigenes Blogger-Selbstbild. Ich will gelesen werden, sonst würde ich nicht schreiben.
Auch wenn ich mich nicht zur Gattung der Alpha-Tierchen zähle, weil mir dafür vermutlich die Ernsthaftigkeit, der Ehrgeiz und eigentlich auch der Wunsch nach größtmöglicher Aufmerksamkeit fehlt, so muss ich doch feststellen: Gelesenwerden ist schön, es ist aber nicht alles.
Für mich, die ich selbst nie ernsthaft Tagebuch geführt habe und für die der Charakter eines täglich (oder möglichst regelmäßig) zu ergänzenden Log-Buchs mehr den Beigeschmack einer Verpflichtung als einer Erfüllung hat, bleibt das Bloggen ein Hobby.
Ich lasse mich inspirieren von anderen, lese Blogs, die ich spannend oder originell finde und versuche mich selbst zu verwirklichen. Was mich langweilt, lese ich nicht. Ich sehe mich da als "Kunde", der frei wählen kann.
Ich bezeichne mich auch nicht als aktives Mitglied der Community und kommentiere selten, weil ich (meist) diese Art von Meta-Austausch nicht fruchtbar finde. Das mag nicht für jeden nachvollziehbar sein, aber das ist das Schöne am Bloggen: Es kann mich äußern, wenn ich es möchte und lassen, wenn ich es möchte. Darüber hinaus habe ich außerhalb von Social-Networks und Web-Präsenz eine ganze Menge Leben (Singular) zu leben und somit schlicht und ergreifend oft auch besseres zu tun.
Und tatsächlich ist es so, dass ich - ganz unbloggerhaft - vieles davon nicht als lesenwerte Neuigkeit einstufen würde.

Ich bin ich. Und ich blogge.



3. Oktober 2012

50f - mystisch.


mystisch. - 

gegen die schmelzenden strahlen der morgensonne
klammert sich das nebelmeer eisern an die weinbestockten hügel.
gleich dem wanderer des romantischen gemäldes
mag sich mein blick nicht abwenden von dem weichzeichnenden überwurf.

konz - tälchen - september 2012