18. Dezember 2012

Liebes Instagram... es ist aus!

Ach, Instagram... was ist nur passiert? Das war doch noch vor Kurzem alles so schön und easy mit uns.
Du warst so cool und lässig, hast mir nie Stress gemacht und ich hab mich dir nie irgendwie verpflichtet gefühlt.
Und jetzt fängst du auf einmal an so rumzustressen.
:(((
Als ich dich kennenlernte, da war ich so fasziniert von dir und deiner unkomplizierten Art. Mit dir konnte man so wunderbar unverbindlichen Spaß haben.
Immer wenn ich Lust hatte, Zeit mit dir zu verbringen, warst du sofort startklar.
Deinetwegen bin ich sogar viel mehr aus dem Haus gekommen und habe die tollsten neuen Sichtweisen auf die Dinge für mich entdeckt.
Und dank dir habe ich auch jede Menge neue Leute kennengelernt, die ich sonst vermutlich nie getroffen hätte.
Du warst eine echte Bereicherung für mich...

Und jetzt kommst du mir so? Ich weiß nicht, was das soll.
Seit du diese Facebook-Leute kennengelernt hast, bist du einfach nicht mehr wie früher.
Du hast dich verändert.
Auf einmal soll alles, was früher zwischen uns so locker lief, nicht mehr gut genug sein?
Du stresst rum und stellst Besitzansprüche... dabei ist das doch überhaupt nichts Festes zwischen uns gewesen!
Warum sollte ich dir irgendetwas schuldig sein? Warum solltest du ein Recht auf irgendetwas haben, was mir gehört? Spinnst du?

Hör zu, Instagram. Ich weiß, du hast das vielleicht alles gar nicht so gemeint.
Oder vielleicht meinst du es ja doch und bist dir gar nicht im Klaren darüber, dass du damit alles kaputt machst, was zwischen uns war.
Aber ich kann mit so einem klammernden Kontrollfreak, der sich von anderen alles aufzwingen lässt, auch nichts anfangen. Sorry.
Das mit uns hat so einfach keinen Sinn. Ich brauche meinen Freiraum und will mich nicht auf diese Art an dich binden.
Außerdem bin ich total enttäuscht von dir, dass du mir die ganze Zeit etwas vorgemacht und mich in dem Glauben gelassen hast, alles wäre total easy und okay mit dir.
Das war's für mich...
...oder wie deine neuen Freunde von Facebook sagen würden:

DISLIKE!

11. Dezember 2012

50f - kristall.


kristall. - 

wintersonnenglanz und eiseskälte
erwecken die illusion von frühling,
die kristallene schmetterlingsraupe,
in ihrer metamorphose erstarrt.

siebengebirge - großer ölberg - dezember 2012


mehr zum projekt 50f und alle anderen bilder sind zu finden unter bilder/gedanken/machen

10. Dezember 2012

Mittelstreifenfahrer

Mittelstreifenfahrer, der; - , (nur abwertend)
 
Knapp an der Lebensunfähigkeit vorbeischlitternde, vermutlich humanoide Spezies, die sich einzig durch das spezifische Straßenverkehrsteilnahmeverhalten eindeutig definieren lässt.
1) Verhaltensdefinition
Der gemeine Mittelstreifenfahrer zeichnet sich durch konsequente und von der aktuellen Verkehrsdichte unabhängige Nutzung der mittleren Fahrspur aus, die er durch stetige Unterschreitung der von der Allgemeinheit anerkannten Mittelstreifenmindestgeschwindigkeit von 117,7km/h dauerhaft zu blockieren weiß.
Auf subtile Hinweise der anderen Verkehrsteilnehmer wie Lichthupe, Rechts-Überholen oder sanftes Anstupsen mit der Stoßstange reagiert er in der Regel gar nicht oder lediglich durch weiteres Reduzieren des Fahrtempos.
Sein erklärtes Ziel ist es, die Weltherrschaft an sich zu reißen, indem er den Rest der Menschheit nachhaltig in den Wahnsinn treibt.

2) Erscheinungsformen (nachfolgend die drei Hauptvertreter)

a) Windschutzscheiben-Atmer
Durch die nur wenige Zentimeter betragende Sitz-Distanz zur Windschutzscheibe ist es dieser Ausprägungsform des Mittelstreifenfahrers nicht möglich, die entsprechenden Vorrichtungen wie Rück- und Außenspiegel sachgemäß zu bedienen und zu nutzen. Aufgrund der dadurch entstehenden, stark schizophren geprägten Gefühle des Verfolgungswahns und der Klaustrophobie, fühlt er sich nur auf der mittleren Spur bei einem durchschnittlichen Tempo von 92,5km/h wirklich sicher. 
Ist die Fahrbahnbreite auf insgesamt vier Spuren verkleinert bzw. die Sicht durch Nebel, starke Abgasentwicklung des Vordermanns oder mittelintensive Niederschläge beeinträchtigt, nutzt der Windschutzscheiben-Atmer auch gerne eine der Fahrbahnmarkierungen als zentralpositionierte Richtlinie.
Auf die oben angeführten Hinweise der anderen Verkehrsteilnehmer reagiert er mit nervösen Zuckungen, schlingerndem Fahrstil und Schnappatmung. 

b) Holländer
Trotz gegebener räumlicher Nähe zum deutschsprachigen Straßenverkehrs- und Kulturraum bleibt neben den unerklärlichen Vorlieben für Campinganhänger, Skihallen und Einkaufszentren auch die exzessive Nutzung des Mittelstreifens ein Mysterium, welches lediglich Vermutungen zulässt.
Anzunehmen ist, dass der Holländer im Laufe seiner Evolution gelernt hat, unsichere Randgebiete (vergl. Küstenstreifen) möglichst zu meiden, wenn die Bodenbeschaffenheit nicht eindeutig abzugrenzen ist.
Mit ausreichendem Abstand zu sämtlichen, gefährlich erscheinenden Fahrbahnabgrenzungen fühlt er sich auf der Durchreise in alpine Reisegebiete auch auf bundesdeutschen Autobahnen nahezu heimisch, was er durch sein heimeliges Wohlfühltempo von 111 km/h noch zu untermalen weiß.

c) Hutträger (weibl. auch: Klorollen-Barbie- oder Wackeldackel-Mutti)
Dieser Erscheinungsform des Mittelstreifenfahrers unterscheidet sich vom Windschutzschreiben-Atmer vor allem durch die im Laufe seiner zahlreichen Lebensjahre erworbenen Er-Fahr-ung. Während ersterer entweder erst seit zwei Wochen über eine Fahrerlaubnis verfügt oder diese zwar vor durchschnittlich 37 Jahren erworben, aber seitdem erst etwa 456 Autobahnkilometer absolviert hat, kann der Hutträger meist auf ca. 62,8 Jahre Fahrpraxis zurückblicken - sofern sein grauer oder grüner Star ihm dies erlaubt.
Den mittlerweile zu 79% eingeschränkten Sinneswahrnehmungen zum Trotz schätzt er sich selbst als souveränen Verkehrsteilnehmer ein, dessen einziges Problem in der Rücksichtlosigkeit der anderen Verkehrsteilnehmer zu suchen ist.
Den Mittelstreifen in Beschlag zu nehmen sieht er gleichzeitig als sein - durch jahrzehntelange Steuerzahlungen und Nutzung erworbenes - Gewohnheitsrecht und seinen Auftrag zur Regulierung des Straßenverkehrs durch gezieltes Ausbremsen und Schneiden gestresster Berufspendler.



28. November 2012

366 Tage

Prolog
Diesen Post hatte ich mir lange vorgenommen.
Irgendwie war seit Wochen der Gedanke da, dass ich anlässlich dieses Tages über dich schreiben würde.

Aber anders als bei anderen Posts, bei denen mir Ideen in den Kopf hüpfen und ich spontan von der Leber weg schreiben kann, hänge ich hier in der Luft. 
Ich hänge in der Luft, weil ich nicht weiß, was ich sagen soll. Aber ich habe das Gefühl etwas sagen zu wollen... sagen zu müssen.

Wir werden sehen, wie es läuft.

366 Tage
Vor 366 Tagen ging dein Leben zuende. Ich war nicht bei dir, aber du warst nicht allein.
Es endete nicht plötzlich oder unerwartet, dein Leben. Es verließ dich schleichend, langsam, Atemzug für Atemzug.
Jedes Mal, wenn wir uns sahen, hatte ich das Gefühl, dass weniger von dir übrig war als beim Mal davor.
Das passiert, wenn die Chemos nicht mehr anschlagen, wenn der Körper langsam aber sicher aufgibt:
Der Mensch schwindet.

Als mein Vater anrief, mir sagte, dass es vorbei sei, konnte ich nicht mehr denken.
Das mag nichts Ungewöhnliches sein. Wenn Menschen vom Tod eines anderen hören, können sie vielleicht immer nicht denken. Das ist vielleicht normal.
Für die Grüblerin, die Gedankenmacherin in mir war es das nicht. Ich habe das Gefühl, ich denke immer und ständig und ununterbrochen. Was vermutlich nicht stimmen kann.
Ich kann mich aber an keinen einzigen anderen Moment bewusst erinnern, in dem ich dieses Gefühl der völligen Kopfleere hatte.
Mein Vater rief an. Sprach mit mir. Weinte. Legte auf.
Ich rief meinen Freund an. Sprach mit ihm. Weinte. Legte auf.
Die Leere war immer noch da.
Irgendwie schlief ich ein mit der Leere. Irgendwie wachte ich wieder auf. Und setzte mich in mein Auto.

Ich fuhr 241km durch den nebligen Novembermorgen und der Kopf blieb leer. Wie oft war ich in den vergangenen 20 Monaten diese Strecke gefahren und meine Gedanken hatten sich wie irr im Kreis gedreht? Ich hatte sie hin und hergeschoben, sie verworfen und neu überdacht. Ich hatte mir Horrorszenarien und Wunder ausgemalt.
Und hatte doch niemals ausmalen können, wie es sein würde, wenn es kommt, wie es unausweichlich war.

Als ich das Auto neben dem Hospiz parkte, hatte ich den rasenden Impuls dich nicht sehen zu wollen.
Ich wollte es den anderen sagen. Sagen, dass ich dich so nicht sehen will. Dass die letzte Erinnerung an dich nicht diese sein sollte.
Ich tat es nicht.
Vater, Bruder, Schwester, eine Mitarbeiterin des Bestattungsunternehmens... und wieder war der Kopf irgendwie unbrauchbar, seltsam dumpf und schwerfällig das Denken.
Man sagte, ich solle mich verabschieden.
Irgendwer sagte, du sähest jetzt ganz friedlich aus.
Ich sagte, ich ginge hinein.

Was glaube ich, wohin du gegangen bist? Ich möchte daran glauben, dass du irgendwohin gegangen bist. Dass das, was dich ausmachte, deine Seele, an einem anderen Ort und nicht einfach nur erloschen ist.
In diesem Raum, diesem nett hergerichteten Zimmer mit bunten Vorhängen, warmen Farben und Blumen auf dem Tisch, warst du jedenfalls nicht mehr.
Das, was du einmal gewesen warst, war schon lange fort. Das, was der Krebs von dir gelassen hatte, lag in diesem Bett.

Wie wenig eine Krankheit und der Tod von einem übrig lassen können, schockiert mich. Es macht mir Angst und ist so ein krasser Gegensatz zu dem Lebendigen, was uns tagtäglich umgibt, was wir in uns spüren und in anderen sehen. Für mich gibt es ab diesem Zeitpunkt, an dem ich das erste Mal mit dem konfrontiert war, nichts mehr, was diesen Eindruck der Vergänglichkeit aus meinem Gedächtnis löschen könnte.
Es war schlimmer zu sehen, wie der Krebs dich Stück für Stück immer mehr aus dem Leben zu pflücken schien, als dich an diesem Tag dort liegen zu sehen. Aber all die Bilder meiner kranken Mutter haben sich nicht so sehr eingebrannt, wie das meiner toten.

366 Tage später habe ich immer noch kein Bild von dir aufgehangen.
Ich kann das vielleicht damit entschuldigen, dass ich auch keine Bilder von anderen Familienmitgliedern aufgestellt habe. Aber das wäre eine platte Ausrede.
Ich habe zwei kleine Fotos von dir in meinem Portemonnaie. Ich hole sie selten heraus.
Eines zeigt dich mit mir auf dem Arm, als ich ein kleines Mädchen von etwa eineinhalb Jahren war.
Das andere zeigt dich etwa ein Jahr, bevor wir von deiner Krankheit erfuhren.
Beide zeigen meine Mutter.

366 Tage später stelle ich mir immer noch die Frage, warum alle anderen so anders trauern als ich.
Warum ich nicht häufiger an dich denke und traurig bin.
Warum ich das Gefühl habe, dass ich anders oder mehr trauern müsste, als ich es tat und tue.
Unser Verhältnis zueinander war kompliziert, widersprüchlich und von gegenseitigen Vorwürfen geprägt. Auch über die Dauer deiner Krankheit konnten wir das nicht wirklich beilegen und aufarbeiten.
Vieles blieb ungesagt, aber weniges ungedacht.
Und Gewissheit erlangte ich nur darüber, dass auch mehr Zeit mit dir, mehr Zeit für dich, diesen Umstand nicht wirklich geändert hätte.
Meinen Frieden mit dir kann ich nur allein schließen.

366 Tage später weiß ich, dass ich dich nur so lieben kann, wie du immer gewesen bist.
Und das tue ich.
Ich habe meinen Frieden mit dir geschlossen und ich hoffe, du konntest deinen finden, wo auch immer du jetzt bist.

Diesen Frieden wünsche ich dir.

25. Oktober 2012

Ein "Scharr", ein "Pick"... ein Limerick!


Eine Kellnerin aus Hinterzarten,
ließ ihre Gäste oft warten.
    Der Chef dachte an Mord
    und vergrub sie dann dort,
wo später die Hühner noch scharrten.

21. Oktober 2012

50f - werkzeug.


werkzeug. - 

ziemlich nutzlos wirkst du hier,
auf schäbigen terrassen
allein zurückgelassen,
wünscht dir du wärst ein schraubenzieher.

schwarzwald - hochblauen - oktober 2012

12. Oktober 2012

Ein Hut, ein Trick... ein Limerick!





Ein Hobby-Magier aus Minden
ließ für Tricks gerne Augen verbinden.
   Doch die Assistentin wusste genau,
   er betatschte jede blinde Frau.
Da ließ sie ihn für immer verschwinden.

11. Oktober 2012

Neulich... im Kinderzimmer

"Ich bin ratlos." Resigniert nimmt sich Ursula Pferdefuß eine weitere filterlose Zigarette mit den sorgfältig manikürten Fingern und lässt sich von mir Feuer geben.
Ihr Blick schweift über die hochglänzend weißen Fronten der penibel geputzten Designerküche.
Aus dem Flur ertönt ein gellender Schrei, gefolgt von aufgeregtem Gepolter und dem dumpfen Geräusch von besockten Füßen, die über Mahagoni-Parkett rennen. Dann der wuchtige Donnerhall einer zugeschlagenen Zimmertür. Wieder Geschrei.
Frau Pferdefuß seufzt.
Es ist ihr anzusehen, dass sie Mühe hat, nicht in Tränen auszubrechen. Die 59-jährige Modedesignerin wirkt verkrampft, die Zigarette in ihren Händen zittert.
Was sie so aufregt ist klar. Im angrenzenden Westflügel der Villa ist es keine fünf Minuten still. Immer wieder ist die Luft erfüllt von Geschrei, knallenden Türen und dem scheppernden Geräuschen, wenn etwas herunterfällt.
Dazwischen wiederholt sich für den interessierten Beobachter immer wieder eine ähnliche Szene. Auch in diesem Moment.
Eine der Türen, die an den weitläufigen Wohn- und Essbereich angrenzen, wird aufgerissen und Uwe, Ursula Pferdefuß' jüngerer Sohn, stürmt auf seine Mutter zu. Seine Wangen sind gerötet, er schnauft und trippelt aufgebracht von einem Fuß auf den anderen.
"Mami!", seine Stimme klingt fordernd. "Mami, du musst dem Ulf sagen, dass er nicht mit meiner PS3 spielen darf!"
Seine Mutter seufzt wieder und blickt mich hilfesuchend an. Dann dreht sie sich wieder zu ihrem Sohn um und will gerade das Wort ergreifen, als aus der geöffneten Zimmertüre, aus der Uwe gerade gestürmt war, Triumphgeheul ertönt.
"Ich hab deinen Highscore geknackt, Uwi!"
Der angesprochene läuft unmittelbar rot-violett an vor Wut und macht auf dem Absatz kehrt, um mit wildem Geschrei ins Geschehen zurückzugekehren.
Wieder das Donnern der Zimmertür.

"Das war schon von Anfang an so.", murmelt Frau Pferdefuß und schlägt das Fotoalbum auf, das auf dem Tisch bereit liegt. Ich bekomme Bilder gezeigt von dem zweijährigen Uwe und dem dreijährigen Ulf, die sich in einer parkähnlichen Gartenanlage um ein Spielzeugauto prügeln. Dann ein Foto von zwei etwa 6-jährigen Kindern, die hysterisch zu schreien scheinen, weil ihre Eistüten anscheinend nach einem Streit auf dem Boden liegen. Weitere Bilder der gleichen Art folgen. Zwei Jungen mit einem Veilchen. Zwei Fahrräder mit zerstochenen Reifen und heulenden Kindern daneben. Auf jedem Foto entweder wut- oder tränenverzerrte Gesichter.
"Wenn sie nicht zusammen sind, benehmen sie sich ganz normal.", merkt die verzweifelte Mutter an und blättert weiter zu einigen Bildern, die ein ganz anderes Licht auf die beiden Brüder werfen.
Uwe im schicken Kommunionsanzug mit einer Kerze und einem Lächeln. Ulf, der sich in Badehose grinsend in Pose neben einem gleichaltrigen Mädchen wirft.
Ein freudestrahlender Uwe mit seinem Abiturzeugnis. Ulf am Steuer seines ersten Porsche.
Ursula Pferdefuß ist sich sicher: "Es muss an dem geringen Altersunterschied liegen."

Als Journalist kommen mir an dieser These Zweifel. Ist es so einfach zu erklären, dass der heute 25-jährigen Uwe, ein erfolgreicher Investment-Banker, hysterisch schreiend aus seinem Zimmer gerannt kommt und seine "Mami" darum anbettelt, sie möge seinen 26-jährigen Bruder vom Abendessen ausschließen, weil der wieder eins seiner Matchbox-Sammelautos geklaut habe? Ist es nachvollziehbar, dass dieser - seines Zeichens Luxus-Immobilienmakler - sich daraufhin im Zimmer des Bruders verschanzt und dessen sämtliche Spielekonsolen unter Wasser setzt? Werden die beiden jemals von zuhause ausziehen? Und was hat wohl der edle Gasherd in der Designerküche gekostet?

Fragen über Fragen.

Erfahren sie mehr... über vollkommen andere Dinge, wenn es wieder heißt:

Neulich...

10. Oktober 2012

50f - leer.


leer. - 

über die glatten wangen des glases hinweg
sammelt sich die neige erschöpft zu einem tropfen,
der kühl und klar den lippen zukriecht,
um auf der zunge einen bittersüßen tod zu sterben.

konz - weinkeller - september 2012


mehr zum Projekt 50f gibt's hier

9. Oktober 2012

Ich blogge, also bin ich?

Seit einiger Zeit wälzt mein Blogger-Hirn einige Gedanken gebetsmühlenartig hin und her und ist versucht, diese besondere Art der Selbsttherapie namens "Bloggen" für mich auf den Punkt zu bringen.
Was ist Bloggen? Warum tut man es? Und noch viel wichtiger: warum tue ich es?

what would Descartes do?
Laut Definition führen wir Blogger ja ein Log-Buch, also eine Art Tagebuch oder Journal, mit dem wir uns der Außenwelt mitteilen möchten. Und hier beginnt für mich schon der allererste Widerspruch:

Der gemeine Blogger gehört meist nicht zu der Sorte Mensch, die Tagebuch führt. Tagebuchführende Menschen sind eigentlich das genaue Gegenteil von Bloggern. Sie sitzen daheim in ihrem Kämmerlein und verschließen ihre Gedanken und Gefühle vor der Welt, um sie im geheimen (manchmal sogar verschlossenen) Büchlein niederzuschreiben und dadurch irgendwie mit sich ins Reine zu kommen.

Und was macht der Blogger?
Der Blogger ist der Meinung, dass das, was ihn den lieben langen Tag so beschäftigt, - seien es jetzt Kochrezepte, Kindererziehung, Weltreisen, Schminke oder einfach Meinungen zu allem und jedem - einer möglichst breiten Leserschaft zugänglich gemacht werden muss.
Dazu gehört mit Sicherheit ein viel größeres Maß an Egozentrik und Hang zur Selbstdarstellung, als es sich der kleine Tagebuchschreiber in seinem Kämmerchen jemals ausmalen könnte.

Wenn man so möchte, ist der Blogger doch eher der Kategorie "Klassenclown" zuzurechnen und weniger den stillen Mauerblümchen. Dieser Art von Außenwirkung ist er sich - zumindest unterschwellig - bewusst und ähnlich wie der Klassenclown, der erst dann zufrieden scheint, wenn er sich der Aufmerksamkeit der versammelten Klassengemeinschaft inklusive Lehrkörper sicher ist, ist der Blogger in der Regel bestrebt, die Leserschaft zu unterhalten und durch unterschiedlichste Animation zu mehren.
Als gängiges und beliebtes Mittel dieser wundersamen Leservermehrung nutzt der geneigte Blogger gerne die Plattform der "Community". Andere Blogs zu lesen, mit den Bloggern in Kontakt zu treten und sich und die blogistischen Ergüsse gegenseitig zu kommentieren, artet zu einem Zeitfresser ganz neuer Dimension aus. Als Resultat daraus nisten sich vor lauter "Senf-dazu-Geben" auf einigen Blogs recht schnell die Wollmäuse der kreativen Pause ein, da für eigene Beiträge einfach die Zeit oder Motivation fehlen. Ich klammere mich da nicht aus.

Wie viel Community braucht also der Blogger, um mit sich und seinem Blog voran zu kommen? Dazu muss vorab eine Frage in den Raum gestellt werden, die irgendwie offensichtlich ist, aber dennoch ungern gestellt wird:

Möchte ich andere Blogger als Hauptleserschaft meines Blogs?

Wie wir bereits festgestellt haben, sind Blogger in der Regel recht selbstorientierte, -darstellerische oder sogar -verliebte Menschen, die sich und ihre Themen im Internet dargestellt wissen wollen. Man geht davon aus, dass das, was man zu sagen, zu posten, zu berichten hat, quasi Nachrichtenwert für die geneigte Leserschaft besitzt.
Im Gegensatz zu "echten" Nachrichten, die aufgrund ihrer Aktualität und Universalität eine breite Leserschaft ansprechen, erreiche ich als Blogger aber stets nur ein kleines Spektrum an Menschen.
Diese Lesergruppe setzt sich einerseits zusammen aus einigen Wenigen, die meinen Betrag tatsächlich aus Interessengründen und mithilfe der von mir gesetzten Tags aufgerufen haben und andererseits aus den mehr oder weniger vielen Leuten, die mir folgen.
Und die Follower sind in der Regel auch - mehr oder weniger aktive - Blogger.
Stellen wir uns zum Vergleich einfach vor, Zeitungsartikel würden nur noch von Journalisten gelesen und kommentiert werden.
Die Folge wären Beiträge und Austausch auf der Ebene von Lobhudelei, Metakritik oder Eigenwerbung.
Willkommen in der Community.

Vor diesem - zugegebenermaßen schwarzmalerischen - Bild im Hinterkopf formuliert sich der Gedanke, ob es für den "guten Blogger" dann nur zwei mögliche Existenzformen gibt?

Wäre da zum Einen der indifferente Idealist, der um des Schreibens Willen schreibt, um des Strickens Willen strickt oder grundsätzlich um des Bloggens Willen bloggt. Es ist ihm egal, ob er gelesen, gesehen, geliked wird oder nicht. Die Zahl seiner Leser ist schwindend gering. Wenn er es irgendwann einmal schaffen sollte "mit seiner Kunst berühmt" zu werden, ist das eher dem Zufall zuzuschreiben und er nimmt dies dann auch eher beiläufig zur Kenntnis.

Und zum Anderen gäbe es dann den ambitionierten Alleskönner, der sich lieber nicht auf ein bestimmtes Themengebiet festlegt, um allen Lesern etwas bieten zu können. Seine Leserschaft wird mit regelmäßigen und gezielten Häppchen gepäppelt und mit möglichst unverwechselbaren Mustern gepflegt und gebunden. Übermäßiges Kommentieren auf anderen Blogs spart er sich, lässt dafür aber über alle möglichen Kanäle möglichst jeden an allem teilhaben, bis irgenwann einmal der "Richtige" darauf aufmerksam wird und durch das richtige Like an der richtigen Stelle für den großen Popularitätsschub in Richtung A-Blog sorgen wird.

Nur zwei Wege die Blogosphäre zu durchwandeln?
Wo bleibt der Individualismus, mag da der ein oder andere schreien und sich darauf berufen, dass sein Blog ja etwas ganz furchtbar Spezielles sei, das sich von allem anderen unterscheide.
Aber seien wir mal ehrlich: Wir Blogger sind leider absolut gar nicht so unvergleichlich, wie wir es gerne wären.
Im Gegenteil, wir sind sogar äußerst vergleichbar in unserem Auftritt und das hängt ebenfalls ganz eng mit der zuvor so gehuldigten Community zusammen. Schließlich umgibt sich der Blogger ja nicht selten mit Themen, Inhalten und Blog-Modellen, die seinem eigenen recht ähnlich sind. Man liest Blogs, die dem eigenen Anspruch in Punkto Inhalt, Design, Sprache o.ä. gerecht werden und lässt sich teilweise vielleicht auch inspirieren. Ob wir nun mit Sprache jonglieren, Quilts nähen oder von unseren Erlebnissen als Au-Pair berichten: meist sind wir beeinflusst durch Vorreiter und Mitstreiter. Ob wir es nun wollen oder nicht.
Ist das nun verwerflich?

Entscheidend ist wohl vielmehr, wie weit die Beeinflussung durch fremdes Gedankengut gehen darf oder nicht. In einem Metier, in dem so viele so sehr auf Individualismus ausgelegt sind, dass aus Bewunderung einer Idee sehr schnell auch Neid und Missgunst erwachsen kann, weil man sie nicht selbst hatte, ist das eine schwierige Gratwanderung.
Bewege ich mich als Blogger auf einem sehr überschaubaren Thementerrain, fallen Plagiate und Nachahmungsversuche schnell auf. Selbst die Annäherung des einen an bestimmte Geschmackmuster des anderen kann einen bitteren Beigeschmack entwickeln.
Manchmal ist eben aber auch ein Thema so begrenzt, dass es wenig kreativen Spielraum lässt und man fast darauf angewiesen ist, sich lediglich mit Spielarten und Variationen des zuvor schon Gesehenen und Gezeigten zu begnügen. Hier muss dann "leben und leben lassen" gelten, denn weder mit übertriebenem "Verfolgungswahn", noch mit allzu freimütigem "Bedienen" in fremden Ideenkisten tut man der Blogosphäre einen Gefallen.
In allen anderen Fällen, in denen eindeutig Gedankengut anderer als das eigene ausgegeben oder plump Inhalte kopiert werden, gelten natürlich andere Regeln.
Besonders die ambitionierten Alpha-Tierchen werden darauf bedacht sein, ihren blogistischen Output möglichst eindeutig und unveränderbar zu brandmarken, indem sie Wasserzeichen, Logos und ähnliches über Texte und Bilder legen. Wer seinem Urheberrecht dagegen mit etwas mehr Gleichmut gegenübersteht, wird darauf vermutlich verzichten, im Gegenzug wohl aber auch nicht gezielt nach möglichen Plagiaten Ausschau halten. Beide Formen des Bloggens haben da wohl ihre Existenzberechtigung.

Wo ordne ich mich also selbst als Blogger ein? Will ich gemäß dieser selbstgewählten Definitionen überhaupt Blogger sein?

Die Antwort ist für mich klar:
Ja.
Ich bin Blogger. Mit all der vielleicht übertriebenen Wichtigkeit, die ich in meinem Tun sehe und mit jedem Fehler, den ich auf meinem Weg durch die Blogsphäre vielleicht machen werde. [Errare blogganum est?]
Allein schon einen Post wie diesen zu verfassen, spricht wohl für mein eigenes Blogger-Selbstbild. Ich will gelesen werden, sonst würde ich nicht schreiben.
Auch wenn ich mich nicht zur Gattung der Alpha-Tierchen zähle, weil mir dafür vermutlich die Ernsthaftigkeit, der Ehrgeiz und eigentlich auch der Wunsch nach größtmöglicher Aufmerksamkeit fehlt, so muss ich doch feststellen: Gelesenwerden ist schön, es ist aber nicht alles.
Für mich, die ich selbst nie ernsthaft Tagebuch geführt habe und für die der Charakter eines täglich (oder möglichst regelmäßig) zu ergänzenden Log-Buchs mehr den Beigeschmack einer Verpflichtung als einer Erfüllung hat, bleibt das Bloggen ein Hobby.
Ich lasse mich inspirieren von anderen, lese Blogs, die ich spannend oder originell finde und versuche mich selbst zu verwirklichen. Was mich langweilt, lese ich nicht. Ich sehe mich da als "Kunde", der frei wählen kann.
Ich bezeichne mich auch nicht als aktives Mitglied der Community und kommentiere selten, weil ich (meist) diese Art von Meta-Austausch nicht fruchtbar finde. Das mag nicht für jeden nachvollziehbar sein, aber das ist das Schöne am Bloggen: Es kann mich äußern, wenn ich es möchte und lassen, wenn ich es möchte. Darüber hinaus habe ich außerhalb von Social-Networks und Web-Präsenz eine ganze Menge Leben (Singular) zu leben und somit schlicht und ergreifend oft auch besseres zu tun.
Und tatsächlich ist es so, dass ich - ganz unbloggerhaft - vieles davon nicht als lesenwerte Neuigkeit einstufen würde.

Ich bin ich. Und ich blogge.



3. Oktober 2012

50f - mystisch.


mystisch. - 

gegen die schmelzenden strahlen der morgensonne
klammert sich das nebelmeer eisern an die weinbestockten hügel.
gleich dem wanderer des romantischen gemäldes
mag sich mein blick nicht abwenden von dem weichzeichnenden überwurf.

konz - tälchen - september 2012

22. September 2012

50f - maske.



maske. - 

hinter deinen ewig gleichen zügen
birgst du gedanken, gefühle, gesicht.
wahrhaftigkeit erlangt nur der,
der dahinter zu blicken vermag.

hamburg - reeperbahn - september 2012

6. September 2012

Ein Flirt, ein Blick... ein Limerick!





Ein Frauenversteher aus Nörten
verstand sich vortrefflich auf's Flirten.
    Im Kaffee war Arsen.
    Die Frau fand, er muss gehen,
weil seine Avancen sie störten.


5. September 2012

Das tote Pferd reiten

Heute ist mir dieser Ausdruck das erste Mal untergekommen. Im Radio. Und ich fand ihn spontan... grandios.
Zuerst, weil er mich zum Lachen brachte, als ich heute früh auf dem Weg zur Arbeit war und ein gesundes Lachen am Morgen ist schließlich nicht zu verachten.
Dann - fast unmittelbar im Anschluss - hielt dieses Bild, dieser Gedanke Einzug in meinen Kopf und verankerte sich dort.

"ein totes Pferd reiten"

Warum dieses leicht makabre Bild so schnell einen Platz in meinen Gedanken gefunden hat, ist klar:
Es ist genau das, was ich momentan tue. 
Ich reite ein totes Pferd.

Das "tote Pferd" ist mein Beruf. Ich "reite" es, weil ich jeden Tag zur Arbeit gehe und doch weiß, dass es nicht das ist, was mich glücklich macht. Dieser Beruf wird mich nirgendwo hinbringen, wo ich gerne sein möchte. Er ist so weit von dem entfernt, was ich mir für meine Zukunft erträume, wie er nur sein kann. 
Und dennoch mache ich weiter. 
Noch.

Der Gedanke an das tote Pferd ist längst nicht so deprimierend und hoffnungslos, wie es vielleicht den Anschein haben könnte. Im Gegenteil. Die Erkenntnis, dass dieser Ausdruck auf mich zutrifft, ist mit einem positiven Aspekt verbunden, der sich schlicht und ergreifend daraus ergibt, dass ich vor kurzem eine  - für mich - mehr als bedeutsame Entscheidung gefällt habe. Ich kann dazu stehen und sagen:

Ja, ich reite das tote Pferd

Denn ich weiß, dass ich in absehbarer Zeit "absteigen" werde. Was für mich lange Zeit nicht vorstellbar war, werde ich im nächsten Jahr in die Tat umsetzen. Ich werde mich in ein komplett anderes, vollkommen neues Berufsfeld wagen und alles Zaudern, Zweifeln und Verzagen über Bord werfen. 
Und das fühlt sich gut und richtig an.

Wie schon die Dakota Indianer in all ihrer Stammes-Weisheit wussten:

When you discover that you're riding a dead horse, the best strategy is to dismount.

In diesem Sinne: Für richtige Entscheidungen ist es nie zu spät.

13. August 2012

50f - fotografie.



fotografie. -

in dem moment, in dem die kamera ein teil von dir wird,
in dem du aufhörst schnappschüsse zu machen
und anfängst in winkeln, belichtungen und blenden zu denken,
hast du auf wunderbare art ein zweites mal sehen gelernt.

schottland - firth of forth - juli 2012

6. Juli 2012

50f - superman.


superman. - 

steel with puddle.
puddle with reflection.
reflection of a man.
man of steel.

duisburg - landschaftspark nord - juni 2012

17. Juni 2012

50f - ferne.


ferne. -

geht doch weiter, geht!
je ferner ihr seid,
desto mehr ist er mein allein,
dieser fleck erde am meer.

renesse - strand - juni 2012

7. Juni 2012

50f - stadt.


stadt. - 

vorne schleppt mutti sieben tüten von h&m nach haus,
hinten wachsen birken auf erde, die der wind hertrug.
vorne zählt eigentlich nur, wieviel gebe ich aus?
hinten zeigt sich dann oft, wenig ist meistens genug.


duisburg - königsgalerie hinten raus - juni 2012

6. Juni 2012

Her mit dem Strick... ein Limerick!


Ein Fahrschullehrer aus Peine,
wer Peine kennt, weiß wen ich meine,
     vertat sich im Sinne
     mit der Wäschespinne,
statt Socken baumelten Beine.


5. Juni 2012

50f - gefangen.


gefangen. - 

kerker aus zweifel, zwinger aus neid,
verlies aus narzissmus und schein,
zellen aus hochmut, bunker aus frust,
bauen wir alle... allein.


heimbach - burg hengebach - mai 2012

4. Juni 2012

50f - oben.


oben. - 

wacker rauf, die hohe leiter,
doch am ende geht's nich' weiter
und et wird dir just bewusst,
datt du wieder runter musst.

duisburg - forum - juni 2012

-mehr zum Projekt 50f gibt's hier-

25. Mai 2012

50f - nacht.


nacht. - 

feuerblume, deine blütezeit ist kurz.
deine knospen gehen auf ohne sonnenlicht.
"ohs" und "ahs" stehen in offenen mündern.
dein leuchten tragen sie in ihren augen nach haus.

rhein in flammen - bonn - mai 2012

24. Mai 2012

50f - hölzern.


hölzern. - 

der rhein gräbt fenster zwischen deine wurzeln,
die du störrisch in den umspülten boden ankerst,
gleich den händen eines sprinters an der linie,
doch wird dein startschuss niemals fallen.

rheinufer - duisburg bruckhausen - mai 2012

23. Mai 2012

Prokrastination, die (Substantiv, f/ kein Plural [zum Glück...])

Ich muss endlich anfangen.
Ich muss endlich anfangen...

Habe ich heute eigentlich schon was gegessen?
Die Blumen müssten mal wieder gegossen werden.
Wann kümmert sich der Vermieter endlich mal darum, dass meine Terrasse wieder "beplankt" wird?
Oh, diese Folge von "How I met your mother" kenn ich noch nicht.
Kocht das Nudelwasser schon?
Papa ruft an.
Ich müsst meine Schwester mal wieder anrufen.
Wie sah noch gleich das Hotel aus, dass wir für den Skiurlaub gebucht haben?
Ich habe bestimmt keine sauberen Socken mehr.
Ich schmeiße eine Ladung Wäsche in die Maschine.
Die Nudeln sind gar.
Mein Email-Account ist überfüllt mit Spam-Werbung für potenzsteigernde Mittel.
Ich lade noch eben ein neues Bild bei Instagram hoch.
Hatte ich die Blumen jetzt schon gegossen?
Seltsam... Cashews. (Quelle: wikipedia)
Es gewittert.
Es gewittert heftig.
Es hört nicht auf zu regnen.
Die Waschmaschine müsste noch längst fertig sein...
Was gibt's Neues bei Facebook?
Papa ruft nochmal an.
Welche Möglichkeiten gibt es wohl, um überschüssigen Solarstrom zu speichern?
Bei "mieten, kaufen, wohnen" sucht ein Kleinwüchsiger eine Wohnung.
Wo hatte ich eigentlich die Schuhcreme hingelegt?
Wäsche aufhängen macht irgendwie viel weniger Spaß als Wäsche waschen.
Cashewnüsse schmecken gut.
Korrigiere: Cashews sind keine Nüsse.
Die Nicht-Nuss hängt an einem verdickten Stiel, der aussieht wie eine Frucht, aber keine Frucht ist.
Es regnet immer noch.
Wie viel könnte ich jetzt wohl noch schaffen, wenn ich anfangen würde?
Eigentlich könnte ich mal wieder einen Blogpost schreiben.

Ich muss endlich anfangen...
Ich muss endlich anfangen damit, mir nicht immer Ausreden zu suchen, um nicht anfangen zu müssen.

50f - heimat.


heimat. -

wo liegt deine heimat, fragst du. einen ort kann ich nicht nennen.
ich kann dir sagen, wonach es riecht, schmeckt, klingt und aussieht,
wenn ich ein gefühl von heimat verspüre. verstehst du?
"der teil, den ich versteh, ist: home is nun mal, where your heart is."
                                                                                                       (kettcar - ausgetrunken)

weizen- und rapsfelder - an der L169 - mai 2012   

22. Mai 2012

50f - hut.

  
 
hut. - 

ach, hätte er doch öfter die güte
auszuführen die auswahl der hüte,
die er sich zugelegt im anfall von mut.
ach, trüge er sie öfter, sie steh'n ihm so gut!

brücke über der rur - heimbach - mai 2012

31. März 2012

Ein Schlag ins Genick... ein Limerick!



Ein untreuer Gatte aus Meppen
fiel unsanft hinunter die Treppen,
    wo ihm danach
    der Halswirbel brach.
Damit war's vorbei mit Abschleppen.

30. März 2012

50f - monument.



monument. - 

was müssen die menschen mit offenen mündern
vor deiner imposanten erscheinung gestanden haben,
als du auf grazilste art tonnenschwere lasten hobst
und "form follows function" noch kauderwelsch war.



schiffshebewerk henrichenburg - waltrop - märz 2012

12. März 2012

Neulich... in einem Anflug von 80er-Jahre-Nostalgie


"Das können die doch nicht machen!", empörte sich Kerstin, deren geballte Fäuste vor Wut zitterten. Ihre  roten Locken wurde ihr ins sonnensprossige Gesicht geweht, als sich sich ihrem Verlobten Bernd zuwandte.
"Beeeeernd! Nun sag doch auch endlich mal was dazu!"
Bernd Buse, 33 Jahre, Anlagenmechaniker aus Niederzwiesel, wirkte seltsam unbeteiligt, während seine bessere Hälfte zeternd und wild gestikulierend auf- und abmarschierte. Gemächlich kratzte er sich sein dichtes Brusthaar, anschließend den rechten Nasenflügel und blickte erneut auf den aushängenden Fahrplan, der sich hinter leicht schwärzlich verkokeltem Kunststoff von eingedrungener Feuchtigkeit der Seeluft leicht verzogen hatte.
"Tja...", murmelte er nun schon zum dritten Mal, was Kerstins Laune vermutlich noch mehr in den Keller trieb, als der Umstand, dass sie immer noch in dieser schäbigen Bushaltestelle festsaßen.
"Ach, du bist so ein Waschlappen!", zeterte sie nun und baute sich herausfordernd vor ihm auf, in der Hoffnung, dass diese Beleidigung endlich einmal eine erkennbare Gemütsregung in sein leicht teigiges und unrasiertes Gesicht bringen würde. Vergeblich.
Das spitze Kinn hervorgestreckt, die braunen Augen vor Verachtung funkelnd, stieß sie ihn nun mehrfach mit dem knallrot lackierten Fingernagel des Zeigefingers in die Brust. Dazu spuckte sie begleitend die folgenden Worte in Bernds Gesicht:
"Das! Ist! Einzig! Und! Allein! Deine! Schuld!"
Bernds eh schon nicht allzu breite Schultern sackten bei jedem Fingerstoß etwas mehr in sich zusammen und sein gequälter und gesenkter Blick war mitleiderregend.
Leider war außer den beiden keiner dort, der für ihn hätte Mitleid empfinden können. Sie waren allein.
Soeben war der letzte Bus an diesem Tag von dieser gottverlassenen Bushaltestelle am verdammt einsamen anderen Ende der Insel, weit ab des Ferienortes, abgefahren.
Ja, er war abgefahren. Ohne Kerstin und Bernd mitzunehmen.
Nein, sie waren nicht zu spät gewesen.
Bernd hatte sogar extra darauf geachtet, dass sie rechtzeitig vom Strand aufbrechen. Dass die Strandmatten entsandet und aufgerollt, die Tupper-Dosen verstaut, die Sonnencreme verschlossen in der Tasche und einwickelt in die Handtücher liegt. Er hatte in aller Eile schon mal Kerstins Espandrilles ausgeschüttelt gehabt und seine Mokassins.
Nein, sie konnte ihm eigentliich nicht vorwerfen, dass es seine Schuld gewesen war.

"Weißt du...", begann er zögerlich.
Ein hasserfüllter Blick traf ihn. Wieder diese Verachtung.
"Was?"
"Vielleicht hätten wir einfach tun sollen, was der Busfahrer verlangt hat.", murmelte Bernd.
"WIE BITTE?! Sag mal spinnst du? Was bist du denn überhaupt für ein Mann, der sich kein Stück durchsetzen kann?", keifte Kerstin. "Du hättest doch glatt klein beigegeben und mich hier stehen lassen, wenn ich mich nicht für unsere Ehre eingesetzt hätte!"
"Aber... er hatte doch..." Bernd seufzte.
"Jetzt behaupte bloß noch, dass dieser schmierige Lackaffe in seinem verschwitzten Polohemd Recht hatte! Das ist ja noch schöner! Zu wem hältst du denn eigentlich?"
Kerstin kochte vor Wut.
"Und wie der mich angeglotzt hat!"
"Na ja..."
"WAS?"


Tja, was eigentlich?
Würde Bernd seine hysterische Verlobte beruhigen und noch rechtzeitig zu "Dallas" zurück ins Hotel kommen?
Würde Kerstin die Verlobung auflösen, weil Bernd sich nicht genug für sie eingesetzt hatte?
Und was erdreistete sich eigentlich dieser Busfahrer, als er die beiden Liebhaber der Freikörperkultur nicht ohne Bekleidung transportieren wollte?


Fragen über Fragen.

Erfahren sie mehr... über vollkommen andere Dinge, wenn es wieder heißt:

Neulich...

11. März 2012

Ein zweiter Blick... ein Limerick



Ein Metzgermeister aus Essen,
ließ sich beim Verwursten nicht stressen.
   Seine Ex wollte Knete,
   nun war sie Pastete.
Das Thema war damit gegessen.

28. Februar 2012

50f - luft.


luft. - 

welches gefühl mag es sein
wenn man wählen kann zwischen den elementen
wenn wasser, erde und luft - ein ums andere -
im wahrsten sinne des wortes zu füßen liegen?


fkk strand - borkum - februar 2012

Mehr zum Projekt 50f gibt's hier nachzulesen.

27. Februar 2012

50f - weite.


weite. - 

wenn ich sie tatsächlich gehen könnte,
die hunderttausende schritte über das meer,
das gefühl von endlosigkeit, das mich erfüllt,
könnten sie doch nicht erfassen.


jugendstrand - borkum - februar 2012

26. Februar 2012

50f - wetter.


wetter. - 
manchmal sprechen die wolken eine eigene sprache,
singen in mehrstimmigen chören von heilen welten,
raunen mir augenzwinkernd ihre geheimnisse zu,
wohlwissend, dass ich ihr volles ausmaß nie begreifen werde.


an der autobahn a31 - nähe ahaus - februar 2012

12. Februar 2012

50f - leuchten.


leuchten. - 
fingerlos die bizarren stümpfe armen gleich gereckt,
der sich gegen die kälte aufbäumenden wintersonne entgegen,
deren wärme den schnee zu unsren füßen nicht schmelzen vermag
und deren sachtwinkliges licht sich in fehlenden zweigen kaum bricht.

königswinter - kopfweiden am petersberg - februar 2012

mehr zum projekt 50f gibt's hier

7. Februar 2012

50f - musik.


musik. - 
wenn superhelden ohne cape
mit hilfe phantastischer wunderwaffen
übermächtige energien aussenden
um wieder einmal die welt zu retten.

köln - musicstore - februar 2012

6. Februar 2012

50f - enge.


enge. - 
was nützt der blick von oben auf die weite welt,
die sehnsucht den fluss hinabwerfend, der zum meer führt.
was soll der wunschtraum von den großen dingen, die alles bedeuten,
wenn du allein den mut und dein herz in rostige ketten legst?

köln - café waschsalon - februar 2012

31. Januar 2012

Neulich... im Blue Oyster Club

Madame Mim, Tracy Tornado und Loretta Lincoln waren sich einig:
Kein anderer Club in Downtown konnte mit ihrem Etablissement mithalten.
Der Blue Oyster Club hatte alles, die Musik, die Dekoration, die Atmosphäre und vor allem natürlich die Bühne. Jeden Abend traten hier die Ikonen der Szene auf. Angefangen von der "Fiesen Fatima", über die "Bärtige Berta" bis zu "Crazy Cookie", der von allen geliebten, kleinwüchsigen Sängerin.
Jeden Abend war die Bude gerammelt voll und all die Wesen der Nacht, die sich am Tage als Versicherungsangestellter, Gebäudereiniger, Börsenmanager oder Schreiner verdingten, drängten sich in Flitter, Glitter, Lack und Pailetten an der Bar, den Tischen und den Nischen.
Einst war das Blue Oyster ein chinesisches Restaurant gewesen. Das Ordnungsamt hatte den Fresstempel aber schließen müssen, nachdem besorgte Kunden den Verdacht geäußert hatten, dass der Besitzer Mr. Wong die Speisekarte um Haustiere aus der Nachbarschaft erweitert hatte. Madame Mim - im wahren Leben Manni Talbot - hatte den Laden anschließend zu einem Spottpreis erstehen können und dieses Kleinod der Travestiekunst daraus gemacht.
Alles war wunderbar. Ein Traum in violett und schwarz. Einzig die sanitären Anlagen bereiteten dem Geschäftsführer-Trio anfangs noch Sorgen. Bis Loretta die entscheidende Idee hatte. Aufgeregt präsentierte sie den beiden anderen ihre Neuerung in Sachen Toilettenbeschilderung...



Madame Mim, Loretta und Tracy blickten sich an. Das war ein neues Highlight.

Würden die Kunden genauso denken?
Würde die "Damentoilette" die neue Pilgerstätte der Clubbesucher werden oder würde es gar keiner registrieren.
Würde Crazy Cookie der genialen Idee einen ihrer Songs widmen?
Und wer designt eigentlich solche seltsamen - wenig eindeutigen - Symbolschilder?


Fragen über Fragen.

Erfahren sie mehr... über vollkommen andere Dinge, wenn es wieder heißt:

Neulich...

30. Januar 2012

Oh wie schick... ein Limerick!



Eine ledergegerbte Blondierte,
die sich generell nie genierte,
    starb tragischerweise
    nicht laut, sondern leise,
als sie eine Walze planierte.

29. Januar 2012

50f - kälte. zerrissen.



kälte. - 
fächer, blätter, farne aus eis
resublimiert auf blauem grund.
frostig-kristallene wellenkämme
glitzern im wintersonnenlicht

mein autodach - rheinland-pfalz - dezember 2011

***



zerrissen. -
wie amputiert stehst du da und gähnst in die leere,
die einmal ein teil von dir gewesen ist.
fetzen deinerselbst hängen blutleer und traurig herab, 
blicken ermattet ihrem unausweichlichen schicksal entgegen.

duisburg - abriss des ehemaligen textilhaus boecker - januar 2012



Was ist das Projekt 50f? Erfahrt mehr dazu HIER.

11. Januar 2012

noch kurz die welt retten...?

was ist dieses gefühl
- es ist innen, nicht außen -
dass etwas anderes,
größeres,
besseres
auf mich wartet, da draußen?

warum zwickt es mich
- es ist hartnäckig, stur -
lässt mich hadern,
verzweifeln,
jammern
und zaudern in einer tour?

zu klein, obwohl ich doch großes will?
zu zögerlich, mutlos, zu wenig, zu still?
warum den weg weitergehen, den man nicht liebt?
darin etwas suchen, was es nicht gibt?

doch wohin sich wenden
- ich weiß nicht wohin -
was das andere,
größere,
bessere
ist, weiß ich nicht. macht das sinn?



 

8. Januar 2012

50f - elektrisch.



elektrisch. - 
die seidenen fäden der sogenannten zivilisation
hängen an meinen ausgestreckten armen.
berge, täler und ebenen wie spinnweben überspannend
verbinde ich den abhängigen mensch der moderne.

huben - osttirol - januar 2012